Weltraum
Safran SkyNaute fliegt beim Debüt in der kommerziellen Luftfahrt an Bord des Airbus A220

Safran gab am 20. Oktober 2026 in Paris bekannt, dass SkyNaute, das von Safran Electronics & Defense entwickelte Trägheitsnavigationssystem, im Airbus A220 zum Einsatz kommen wird. Damit hält das System Einzug in die kommerzielle Luftfahrt. Laut Benjamin Declety, Leiter der Geschäftseinheit Avionics bei Safran Electronics & Defense, wird damit erstmals ein Trägheitsnavigationssystem der Gruppe in einem Verkehrsflugzeug eingesetzt.
Durch die Kombination von Trägheitsnavigation mit hybrisierten Satellitennavigationsdaten (GNSS) gewährleistet SkyNaute nach Angaben des Unternehmens, dass das Flugzeug unter allen Umständen eine präzise und zuverlässige Flugbahn beibehält, wie es in der Mitteilung hieß.
„Dass SkyNaute an Bord des Airbus A220 seinen Platz einnimmt, erfüllt unsere Teams mit großem Stolz: Erstmals wird unser Trägheitsnavigationssystem in einem Verkehrsflugzeug eingesetzt. Das ist ein starkes Signal für die französische Industriekompetenz“, sagte Declety. Außerdem dankte er Airbus für das Vertrauen.
Widerstandsfähigkeit gegen Störungen und HRG-Technologie
SkyNaute wurde bereits für Militärflugzeuge, Hubschrauber und Drohnen ausgewählt, die von mehreren europäischen Streitkräften eingesetzt werden. Für die zivile Luftfahrt bietet das System laut Safran einen entscheidenden Vorteil aus dem Verteidigungsbereich: Widerstandsfähigkeit gegen Störungen. Das Unternehmen erklärte, das System halte auch dann eine äußerst präzise Flugbahn ein, wenn GNSS-Signale nicht verfügbar, gestört oder gefälscht seien. Diese Fähigkeit sei für die zivile Luftfahrt unverzichtbar, da es in mehreren Regionen der Welt immer häufiger zu solchen Störungen komme.
Grundlage dieser Leistung ist das von Safran Electronics & Defense patentierte HRG-Kreiselinstrument (Hemisphere Resonator Gyroscope). Der Sensor enthält keine mechanischen Teile, die Verschleiß unterliegen, und bietet dem Unternehmen zufolge eine unübertroffene Kompaktheit sowie eine hohe Widerstandsfähigkeit unter rauen Umgebungsbedingungen.
Das geringere Gewicht, die kompakte Größe und der niedrige Stromverbrauch von SkyNaute ermöglichen den Fluggesellschaften laut Safran eine einfachere Installation und Gewichtsersparnisse an Bord, während zugleich die strengsten Sicherheitsanforderungen der kommerziellen Luftfahrt erfüllt werden. Auf der Produktseite der Gruppe sind für das Gerät ein Volumen von 3 Litern, ein Gewicht von 3 Kilogramm und eine Leistungsaufnahme von 20 Watt angegeben. Es basiert zu 100 Prozent auf unternehmensintern entwickelten und bewährten Technologien. Gegenüber Vergleichsprodukten am Markt soll es Größe und Gewicht um 35 Prozent verringern. Safran führt die Leistung des Systems auf ausgereifte und bewährte Technologien zurück, darunter die HRG-Crystal-Kreiselinstrumente mit hemisphärischem Resonator. Das Produkt erfülle sämtliche Sicherheits- und Zuverlässigkeitsanforderungen für Flugzeuge, Hubschrauber und Drohnen.
SkyNaute sei bereits in Hubschraubern installiert worden, die starken Vibrationen und großen Temperaturschwankungen ausgesetzt seien, ebenso in Militärflugzeugen, die Erschütterungen und Störversuchen ausgesetzt seien, sowie in Drohnen, die eine hohe Navigationsgenauigkeit und eine starke Widerstandsfähigkeit gegen elektromagnetische Störungen erforderten, erklärte Safran. Mit der Auswahl für den A220 bestätige das System seine Fähigkeit, sich an Flugzeuge mit sehr unterschiedlichen Integrationsanforderungen anzupassen, so das Unternehmen.
Auf der Produktseite werden frühere Auswahlentscheidungen aufgeführt: im Juni 2022 für die H160M-Guépard-Hubschrauber der französischen Streitkräfte, im Juni 2023 für modernisierte Tiger-Hubschrauber, zusammen mit Safrans APIRS-Lage- und Kursreferenzsystem sowie Trimmaktoren, und ebenfalls im Juni 2023 für das autonome Lufttaxi Generation 6 von Wisk Aero.
Ausbau der HRG-Produktion in Montluçon
Die HRG wird vollständig in Montluçon in Zentralfrankreich entwickelt und industriell gefertigt. Am 8. Juni 2026 kündigte Safran Electronics & Defense eine Investition in Höhe von 120 Millionen Euro an, um den Standort auszubauen und zu modernisieren. Dadurch soll sich die jährliche Produktionskapazität für das Kreiselinstrument bis 2032 von 10.000 auf 30.000 Stück verdreifachen.
Der Industriestandort wird um weitere 10.500 Quadratmeter erweitert. Dazu gehören 3.000 Quadratmeter neue Reinräume, die mit Industrieanlagen der neuesten Generation ausgestattet werden. Der Ausbau erfolgt in zwei Phasen: Zunächst ist für 2027 eine Erweiterung um 2.500 Quadratmeter vorgesehen, anschließend sollen bis 2030 weitere 8.000 Quadratmeter hinzukommen. Safran Electronics & Defense, mit mehr als 1.640 Beschäftigten bereits der größte industrielle Arbeitgeber im Département Allier, kündigte an, bis 2030 500 neue Arbeitsplätze zu schaffen, um das Wachstum zu unterstützen.
Das 1934 errichtete Werk in Montluçon gehört zu den traditionsreichen Standorten der Safran-Gruppe. Ursprünglich umfasste es 37.000 Quadratmeter; heute sind es 100.000 Quadratmeter, darunter 6.000 Quadratmeter Reinräume. Nach Abschluss des Projekts wird die Fläche auf 110.500 Quadratmeter anwachsen.
Das Unternehmen bezeichnete die HRG als Kernstück seiner Trägheitsnavigationssysteme und als weltweit fortschrittlichsten Trägheitssensor. Das Kreiselinstrument wurde von Anfang an für die Massenproduktion mit einer äußerst geringen Zahl von Bauteilen ausgelegt. Es ist für die Integration in modulare Architekturen konzipiert und eignet sich für Anwendungen, die von kostengünstigen Einsatzbereichen mit hohen Stückzahlen wie Munition und Drohnen bis hin zu fortschrittlichen Plattformen reichen. Dazu zählen Artilleriesysteme, gepanzerte Fahrzeuge, Militärflugzeuge und Hubschrauber ebenso wie Schiffe, U-Boote, Satelliten und Trägerraketen. Safran zufolge liegt der entscheidende Vorteil darin, eine absolute und ausfallsichere Navigation zu ermöglichen, die selbst in den kritischsten Umgebungen ohne GPS-Signal einsatzfähig bleibt. Die Nachfrage nach diesen souveränen Technologien, darunter auch solchen, die in der modularen Luft-Boden-Waffe Hammer zum Einsatz kommen, sei zuletzt in beispiellosem Tempo gestiegen.
„Diese Investition wird es uns ermöglichen, unsere einzigartige Position im Bereich Navigation weiter zu festigen und unserer wichtigsten Verpflichtung nachzukommen: die Streitkräfte, die Frankreich, Europa und ihre Verbündeten schützen, termingerecht zu beliefern“, sagte Franck Saudo, Präsident von Safran Electronics & Defense, in der Ankündigung im Juni.












