Digitale Vermögenswerte
Waller im Februar 2023: Junge Kryptotechnologien bieten mögliche Anwendungen in anderen Bereichen

Am 10. Februar 2023 unterschied Christopher Waller, Mitglied im Gouverneursrat der Federal Reserve, zwischen spekulativen Kryptoanlagen und der zugrunde liegenden Technologie. Er sah mögliche Anwendungen der Technik außerhalb des Kryptobereichs; dies war keine Empfehlung zum Kauf von Kryptoanlagen.
Auf der Konferenz des Global Interdependence Center über digitales Geld, dezentrale Finanzdienstleistungen und Krypto in La Jolla, Kalifornien, erläuterte Waller seine Gedanken zum Kryptoökosystem. Es waren seine persönlichen Ansichten, die nicht notwendigerweise denen seiner Kollegen entsprachen.
Ereignisse wie der Zusammenbruch von FTX machten eine Diskussion über digitale Vermögenswerte aus seiner Sicht besonders aktuell.
Waller unterstützte vorsichtige Finanzinnovationen, betonte aber die Risiken von Kryptoanlagen und der Beteiligung von Banken.
Er behandelte verteilte Register, Smart Contracts und Tokenisierung zum Datenschutz. Diese Anwendungen sind von der Bewertung von Kryptotoken als Anlagen zu unterscheiden.
Die Rede stellte nicht fest, dass die Technik bereits die finanzielle Teilhabe verbessert habe oder Dienstleistungen automatisch sicherer mache als traditionelle Verfahren. Waller beschrieb mögliche Anwendungen und die Notwendigkeit des Risikomanagements.
Er wollte, dass die Regulierungsdebatte die verschiedenen Teile des Ökosystems unterscheidet, damit nützliche technische Anwendungen nicht unnötig eingeschränkt werden.
Kryptoanlagen und Geld als gesellschaftliches Konstrukt
Waller beschrieb Kryptoanlagen als gehandelte digitale Vermögenswerte, die mit kryptografischen Verfahren umgesetzt werden. Er betrachtete ihren Wert anhand wirtschaftlicher Beziehungen, nicht nur ihrer technischen Neuartigkeit.
Seine Frage war, warum jemand für ein Objekt ohne inneren Wert bezahlt. Das bedeutet nicht, dass das Objekt keinerlei Eigenschaften besitzt.
Er verwies auf Paul Samuelsons Arbeit von 1958 zur Verteilung des Konsums über die Zeit. Ein Objekt ohne eigenen Gebrauchsnutzen kann dennoch einen positiven Preis haben, wenn Menschen glauben, dass andere später dafür bezahlen.
Wer erwartet, das Objekt später zu einem positiven Preis verkaufen zu können, kann bereit sein, heute dafür zu zahlen und es bis dahin zu behalten, erklärte Waller.
In diesem theoretischen Beispiel gibt es auch ein Gleichgewicht mit dem Preis null: Erwartet niemand mehr einen späteren Verkauf, entfällt die Zahlungsbereitschaft.
Als Beispiele nannte er Baseballkarten und Prominentenautogramme. Die Nachfrage von Sammlern kann hohe Preise erzeugen; verschwindet sie, kann der Wert stark fallen.
Unterstützung für Innovation, Sorge um Bankenrisiken
Waller betrachtete Kryptoanlagen als spekulativ, ähnlich wie Sammlerobjekte. Ein positiver Preis beruhte in seiner Erklärung auf der Erwartung eines künftigen Käufers, der nicht unbedingt mehr bezahlen muss.
Menschen dürften solche Anlagen halten, sollten bei einem Preisverfall auf null aber nicht erwarten, dass Steuerzahler ihre Verluste tragen.
Die Risiken waren durch Insolvenzen von Kryptounternehmen sichtbar geworden. Der ursprüngliche Artikel nannte unter anderem BlockFi, Voyager, Celsius und Three Arrows Capital im Jahr 2022. Genesis Global Capital beantragte dagegen im Januar 2023 Gläubigerschutz.
Waller sprach allgemein über insolvente Zahlungsplattformen, Börsen, Kreditgeber und Hedgefonds sowie über die Verluste von Anlegern durch Kursrückgänge und Unternehmenskrisen.
Er zitierte frühere Umfragen, nach denen 12 bis 20% der Erwachsenen in den USA Kryptoanlagen besessen, gehandelt oder genutzt hatten. Das war keine aktuelle Messung. Er verwies zudem auf Berichte über mindestens fünfzehn Pensionsfonds für Beschäftigte des öffentlichen Dienstes, die in FTX investiert hatten.
Banken und andere Finanzintermediäre müssten nach Waller sicher und solide arbeiten, auch wenn einzelne Anleger selbst Risiken eingehen wollten.
Seine Bedenken betrafen unter anderem Betrug, rechtliche Unsicherheit und unzutreffende oder irreführende Finanzangaben bei kryptobezogenen Aktivitäten.
Eine Bank müsse Geschäftsmodelle, Risikomanagement und Unternehmensführung ihrer Kryptokunden verstehen, damit sie bei einer Krise nicht selbst auf den Verlusten sitzen bleibe.
Banken durften bei Kryptogeschäften weder die Pflichten zur Kundenidentifizierung, KYC, noch zur Geldwäschebekämpfung, AML, ignorieren.
Bis zur Rede im Februar 2023 waren die Auswirkungen auf andere Teile des Finanzsystems laut Waller begrenzt geblieben. Dies führte er teilweise auf die damals relativ geringen Verbindungen zwischen Banken und Kryptoökosystem zurück.
Waller wollte Finanzstabilitätsrisiken vermindern und zugleich die Anlagen von den möglichen Vorteilen der Technik unterscheiden. Seine Äußerungen waren weder ein Totalverbot noch eine Zulassung einzelner Produkte.
Verteilte Register, Smart Contracts und Tokenisierung
Er beschrieb Blockchain als ein Datenbankverwaltungsprotokoll zur Aufzeichnung von Transaktionen. Verteilte Register können eine Teilnahmegenehmigung voraussetzen oder ohne diese offen zugänglich sein. Die Technik kann auch außerhalb von Krypto bei der Datenverwaltung eingesetzt werden.
Er behandelte außerdem Smart Contracts und Tokenisierung als Datenschutztechnik. Diese können auch außerhalb des Handels mit Kryptoanlagen Anwendung finden.
Smart Contracts können Transaktionen zwischen Parteien automatisieren und bei anderen Vermögenswerten als Kryptoanlagen auch mit zentraler Datenverwaltung kombiniert werden.
Als Beispiel nannte er eine mögliche Beschleunigung von Clearing und Abwicklung von Wertpapiergeschäften. Es ging um eine mögliche Anwendung, nicht um die Mitteilung einer bereits flächendeckenden Einführung.
Bei Tokenisierung zum Datenschutz können Ersatzkennungen mit sicher gespeicherten personenbezogenen Daten verbunden werden. So ist erforderliche Identifizierung möglich, ohne die Daten unnötig offenzulegen oder kommerzieller Ausbeutung auszusetzen.
Tokenisierung kann auch die digitale Darstellung von Rechten an Vermögenswerten bedeuten, etwa durch Token auf einer Blockchain. Das ist eine andere Anwendung als der von Waller beschriebene Datenschutz. Ein Token macht eine Anlage nicht automatisch liquide, zugänglich oder frei als Kryptowährung handelbar.
Token, die Wertpapiere darstellen, können dem Wertpapierrecht unterliegen. Die Bezeichnung Kryptowährung schafft keine allgemeine Ausnahme; Rechte und Angebotsform sind maßgeblich. Die Erörterung von Wertpapiertoken im Artikel war keine Empfehlung Wallers.
Angebote von Wertpapiertoken, STOs sind eine Form der digitalen Wertpapieremission. Die ursprüngliche Annahme, Regulierung werde sie unvermeidlich machen, war eine redaktionelle Einschätzung, kein sicheres Ergebnis oder Versprechen der Federal Reserve.
Auch die Erwartung eines Marktes von mehreren Billionen Dollar bis 2030 war eine Prognose im ursprünglichen Artikel. Wallers Rede bestätigte diesen Betrag nicht und erteilte keine allgemeine Billigung von Wertpapiertoken.
Waller schloss mit der Einschätzung, die Technologien seien noch jung, könnten aber auch außerhalb des Kryptoökosystems die Produktivität verbessern.












