Digitale Vermögenswerte

Coinbases Vorbereitung auf Ethereums Merge 2022 und die damaligen Marktprognosen

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Die Kryptobörse Coinbase kündigte im August 2022 Pausen einzelner Dienste vor dem Merge an. Dabei wechselte Ethereum von Proof of Work zu Proof of Stake und verband die Ausführungsschicht mit dem Konsens der Beacon Chain. In einem Blogbeitrag vom 16. August 2022 erläuterte Produktmanager Armin Rezaiean-Asel die Vorbereitungen. Die folgenden Betriebspläne und Marktprognosen beschreiben die damalige Lage, keine derzeitige Störung.

Vorübergehende Pause für ETH- und ERC-20-Ein- und Auszahlungen

Coinbase plante, neue Ein- und Auszahlungen von ETH und ERC-20-Token für Privat- und institutionelle Kunden kurz auszusetzen. Damit wollte die Börse prüfen, ob ihre Systeme den Übergang korrekt abbildeten. Das Unternehmen erklärte, die Vermögenswerte blieben sicher, und kündigte Informationen zur Wiederaufnahme über Twitter und seine Statusseite an. Das war seine Beschreibung der Vorsichtsmaßnahmen, keine Garantie völliger Risikofreiheit unter allen Umständen.

„Wir erwarten keine Auswirkungen auf andere Netzwerke oder Währungen und auch keine Auswirkungen auf den Handel mit ETH und ERC-20-Token in unseren zentralisierten Handelsdiensten.“

Coinbase Prime wies auf mögliche vorübergehende Verzögerungen bei der Verfügbarkeit von Auszahlungen aus der Verwahrung hin. Coinbase Cloud rechnete mit rund zehn Minuten Ausfallzeit bei einem Routine-Upgrade vor dem Merge, nicht mit einem zehnminütigen Stillstand ganz Ethereums. Coinbase Commerce wollte neue Zahlungen pausieren und laufende Zahlungen verzögert abschließen. Außerdem warnte Coinbase davor, ETH für ein angebliches „Upgrade auf ETH2“ an Dritte zu senden: Einen neuen ETH2-Token musste niemand kaufen oder empfangen.

Auf der Coinbase-Plattform sollte gestaktes ETH getrennt vom nicht gestakten Guthaben angezeigt werden. Das schuf keine neue ETH-Art im Netzwerk. Coinbase gehörte damit zu den Börsen mit Informationen zum Übergang. Binance hatte ebenfalls Unterstützung zugesagt und wollte Token aus möglichen Abspaltungen prüfen, sofern sie die Kriterien für eine Notierung erfüllten. Unterstützung für den Merge bedeutete keine automatische Notierung aller Fork-Token.

JPMorgan sah mögliche Vorteile für Coinbase

In der damals zitierten Kundennotiz schätzte JPMorgan-Analyst Kenneth Worthington, dass Coinbases Investitionen in Staking-Dienste höhere Umsätze ermöglichen könnten. Er betonte das Ziel, den Wert des ETH-Stakings für die Kunden zu maximieren. Das war eine Analystenprognose, kein bereits erzieltes Ergebnis.

Die im Artikel zitierten Dune-Analytics-Daten verorteten Coinbase damals bei rund 14,7% des über Beacon-Chain-Validatoren gestakten ETH. Das war eine damalige Momentaufnahme, kein aktueller Marktanteil.

Der Analyst erwartete, dass institutionelle Kunden zum ETH-Staking-Umsatz beitragen würden, während der größte wirtschaftliche Nutzen für Coinbase im Privatkundensegment verbliebe. Er unterschied das Umsatzpotenzial vom zusätzlichen Ergebnis; es handelte sich um eine damalige Einschätzung, nicht um bereits erzielte Zahlen.

Der Artikel zitierte eine Prognose von 650 Millionen US-Dollar zusätzlichem jährlichem Staking-Umsatz unter der Annahme eines ETH-Kurses von 2.000 US-Dollar und einer ETH-Rendite von 5%. Separat wurden 80 bis 100 Millionen US-Dollar zusätzliches Jahresergebnis geschätzt. Diese bedingten Prognosen betrafen verschiedene Kennzahlen, keine zwei zu addierenden Umsatzsteigerungen oder Renditegarantien für Kunden. FTX, Gemini und Binance wurden ebenfalls als mögliche Profiteure im Jahr 2022 genannt; das beschrieb nicht ihren heutigen Zustand.

Glassnode sah ein mögliches „Sell the News“-Szenario

Im August 2022 schätzten Entwickler, dass der zuvor ungefähr für den 19. September angepeilte Übergang um den 15. September stattfinden könnte. Maßgeblich war die Terminal Total Difficulty, ein Schwellenwert der kumulierten Mining-Schwierigkeit, keine exakt festgelegte Zahl noch zu berechnender Hash-Versuche. Bellatrix bereitete die Konsensschicht der Beacon Chain vor; Paris löste beim Erreichen des Schwellenwerts den Wechsel der Ausführungsschicht zu PoS aus.

Die Terminal Total Difficulty wurde damals auf 58750000000000000000000 gesetzt. Damit ließ sich die verbleibende Mining-Arbeit abschätzen, nicht die exakte Anzahl aller noch notwendigen Hash-Versuche bestimmen. Die Schätzseite [] veranschlagte den Merge ungefähr auf den 15. September, wobei der genaue Zeitpunkt von der Hashrate abhing. Das war der Sinn des im Artikel zitierten Updates von Vitalik Buterin: eine Schätzung vor dem Übergang, keine Meldung über ein bereits abgeschlossenes Ereignis.

Vor dem Merge verglich Santiment den ETH-Kursverlauf mit der Zahl der Gespräche in sozialen Medien. Die Analyse vermutete einen möglichen Zusammenhang mit der Volatilität. Eine Korrelation belegte nicht, dass das Gesprächsvolumen allein den Kurs oder seine Richtung bestimmte.

Auch offene Derivatepositionen nahmen damals zu. Der Artikel zitierte eine Glassnode-Meldung vom 17. August 2022: Das Open Interest von ETH-Futures auf Deribit erreichte 609.642.786 US-Dollar und damit ein Mehrwochenhoch. ETH-Futures auf Binance erreichten an jenem Wochenende ebenfalls Mehrmonatshochs. Futures und Optionen sind verschiedene Instrumente; diese Zahl war kein Open Interest von Optionen.

Glassnodes Bericht vom 8. August 2022 bezifferte das Open Interest von ETH-Optionen auf 6,6 Milliarden US-Dollar und das von Bitcoin-Optionen auf 4,8 Milliarden. Die 4,4 Milliarden im ursprünglichen Artikel entsprachen diesem Bericht nicht. Verglichen wurde der Wert offener Optionskontrakte, nicht vollständig neu in den Kassamarkt geflossenes Geld.

Derivatepositionen zeigten Call-Käufe für eine Beteiligung an möglichen ETH-Kursgewinnen. Bloomberg berichtete am 12. August unter Bezug auf Glassnode über Positionen vor dem Merge mit Ausübungspreisen um 2.200 US-Dollar und darüber. Ein Ausübungspreis ist keine sichere Prognose für den Kassakurs. Für die Wochen danach deuteten die Daten auf geringere Call-Nachfrage und stärkere Nachfrage nach Schutz vor Kursverlusten hin. Das unterstützte ein mögliches Sell-the-News-Szenario, keine Gewissheit eines Kursrückgangs und keine Verkaufsempfehlung.

Was der Merge änderte und was nicht

Als dieser Bericht im August 2022 entstand, lag der Übergang Mitte September noch rund vier Wochen entfernt. Angesichts unzutreffender Behauptungen erklärte Ethereum.org, dass der Merge vor allem den Konsens änderte und nicht sämtliche Ethereum-Entwicklungspläne auf einmal umsetzte.

Die vom Team erläuterten Themen umfassten Gasgebühren, Transaktionsgeschwindigkeit und Staking. Der Merge sollte weder die Kapazität erheblich erhöhen noch die Gebühren automatisch senken. Das bedeutete nicht, dass Gebühren nicht mit der Nachfrage schwanken könnten. Blockzeiten und Finalität änderten sich leicht, die Layer-1-Transaktionen wurden aber nicht massiv beschleunigt.

Der Merge selbst schaltete keine Auszahlungen gestakter ETH frei. Diese wurden damals für ein späteres Upgrade erwartet, das anschließend als Shanghai/Capella bekannt wurde; „Phase 1.5 des Merge“ war eine unzutreffende Bezeichnung. Prioritätsgebühren und MEV konnten separat an eine Gebührenempfängeradresse fließen, während das Staking-Guthaben gesperrt blieb. Die Einzahlung von 32 ETH war in diesem damaligen Zusammenhang Voraussetzung für einen eigenen Validator, nicht für einen gewöhnlichen Node oder gemeinschaftliches Staking. Das Protokoll begrenzte außerdem Validator-Ausstiege, sodass nicht alle gleichzeitig ihr gesamtes Guthaben abziehen konnten.

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Sam ist ein Finanzinhalte-Spezialist mit einem starken Interesse an dem Blockchain-Bereich. Er hat mit mehreren Firmen und Medienunternehmen in den Bereichen Finanzen und Cybersicherheit zusammengearbeitet.