Erweiterte und virtuelle Realität
Virtuelle Realität Immersion inspiriert Spenden und Umweltengagement

Umweltorganisationen suchen nach Wegen, Klima- und Naturschutzthemen für Menschen greifbarer zu machen. Forschende der Universität zu Köln verglichen Dokumentarfilme in 360-Grad-Virtual-Reality (VR) mit herkömmlichem Video, Audio und Text. VR verstärkte das Gefühl, vor Ort zu sein, und die Einbindung in die Geschichte. Die Studie fand jedoch keinen direkten Effekt des VR-Formats auf die Absicht, die Umwelt zu schützen oder zu spenden.
Die Herausforderung für Umweltkampagnen
Ein Problem zu kennen führt nicht automatisch zu Handeln oder Spenden. Organisationen müssen dem Publikum helfen, entfernte Orte und die Erfahrungen Betroffener zu verstehen. Die Forschenden untersuchten daher, ob die Darstellungsform einer Geschichte dieses Erleben verändert.
Die Studie zu VR und Umweltengagement
Der in Computers in Human Behavior erschienene Artikel „Virtual reality versus classic presentations of mass media campaigns: Effectiveness and psychological mechanisms using the example of environmental protection“ verglich 360-Grad-VR-Video mit 2D-Video, Audio und Text.1 Die Autoren analysierten Daten von 128 Teilnehmenden, unter anderem zu räumlicher Präsenz, Eintauchen in die Erzählung, Gefühlen sowie Absichten in Bezug auf Umweltschutz und Spenden.
Was ist ein 360-Grad-VR-Video?
Ein 360-Grad-Video wird so aufgenommen, dass Betrachtende in verschiedene Richtungen der gezeigten Umgebung blicken können. Mit einem VR-Headset kann der Ort näher erscheinen. Das Format wird auch in Bildung und Unterhaltung eingesetzt; ein intensiveres Erlebnis garantiert aber nicht den Erfolg einer Kampagne.

VR kann eine dargestellte Umgebung näher erscheinen lassen.
Anwendungen jenseits der Unterhaltung
Neben Spielen und Simulationen kann VR schwer erreichbare Orte zeigen. In einer Umweltkampagne kann das dem Publikum helfen, einer Geschichte zu folgen. Die Wirkung auf tatsächliches Verhalten muss dennoch gesondert gemessen werden.
So wurde der Vergleich durchgeführt
Die 128 Teilnehmenden erhielten dokumentarisches Material zum Umweltschutz als 360-Grad-VR-Video, 2D-Video, Audio oder Text. Die Forschenden verglichen das Gefühl, vor Ort zu sein, die Einbindung in die Geschichte und positive wie negative Gefühle. Außerdem erfassten sie die angegebenen Absichten, die Umwelt zu schützen und zu spenden.
Die Untersuchung bezieht sich auf Erlebnisse und Absichten in einer bestimmten Versuchssituation. Sie belegt nicht, dass echte Spendenkampagnen durch VR mehr Geld einnehmen.
Wichtigste Ergebnisse: stärkere Einbindung, kein direkter Spendeneffekt
360-Grad-VR erzeugte stärkere räumliche Präsenz, mehr Einbindung in die Erzählung und positivere Gefühle als die klassischen Formate. Die Forschenden fanden aber keinen direkten Effekt des VR-Formats auf die Absicht, die Umwelt zu schützen oder zu spenden. Die Analyse deutete auf einen indirekten Zusammenhang hin, insbesondere über das Eintauchen in die Geschichte.
Die Aussage, die Studie habe einen Anstieg der Spenden nachgewiesen, ginge über ihre Ergebnisse hinaus. Die Intensität eines Erlebnisses ist von tatsächlichem Spendenverhalten zu unterscheiden.
Die Forschenden
Daniel Zimmermann, Paulina Wolf und Kai Kaspar von der Universität zu Köln verfassten den Artikel. Ihre Arbeit trägt zum Verständnis der psychologischen Mechanismen bei, über die ein immersives Medium die Wahrnehmung einer Umweltgeschichte beeinflussen kann.
Mögliche Nutzung in Kampagnen
Eine Organisation kann VR ausprobieren, um einen entfernten Ort zu zeigen oder eine Geschichte mit stärkerem Präsenzgefühl zu erzählen. Die Studie belegt Unterschiede im Erleben. Produktionskosten, Zugänglichkeit, Zielgruppe und tatsächliche Spendenergebnisse müssen jedoch für jede Kampagne gesondert beurteilt werden.
Aus dem Artikel lässt sich weder eine breite Einführung binnen ein oder zwei Jahren noch ein sicherer Anstieg der Spendeneinnahmen ableiten.
Unternehmen im VR-Bereich
Mehrere Unternehmen liefern Geräte und Software für virtuelle Erlebnisse. Das folgende Unternehmen ist ein Beispiel aus der Branche und war an der Studie nicht beteiligt.
Meta Platforms Inc.
Meta Platforms (META ) entwickelt VR-Headsets und zugehörige Software. Das Unternehmen änderte seinen Namen 2021 von Facebook in Meta. Die Untersuchung zu Umweltkampagnen zeigt nicht, dass Metas Umsatz oder Aktienkurs aufgrund der Ergebnisse steigt.
META Preisdiagramm
Aktuelles zu Meta Platforms Inc.
Fazit
360-Grad-VR kann das Gefühl von Präsenz und die Einbindung in eine Geschichte verstärken. In dieser Studie zeigte sich jedoch kein direkter Effekt auf Absichten zum Umweltschutz oder Spenden. Kampagnen sollten deshalb sowohl die Qualität ihrer Erzählung als auch messbare Ergebnisse bewerten, statt sich allein auf die technische Intensität des Erlebnisses zu verlassen.
Zitierte Studie
1. Zimmermann, D., Wolf, P. und Kaspar, K. (2025). „Virtual reality versus classic presentations of mass media campaigns: Effectiveness and psychological mechanisms using the example of environmental protection“. Computers in Human Behavior 168, 108643. https://doi.org/10.1016/j.chb.2025.108643.












