Biotechnologie

Fünf Unternehmen und die Zukunft der Kardiologie

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Ein häufig unbemerktes Gesundheitsrisiko

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen zu den wichtigsten Todesursachen. Herzinfarkt und Herzinsuffizienz sind unterschiedliche Erkrankungen: Beim Infarkt wird meist die Blutversorgung des Herzmuskels unterbrochen, bei einer Insuffizienz ist die Pumpfunktion unzureichend. Nach Angaben der CDC starben 2023 in den USA 919.032 Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, etwa ein Drittel aller Verstorbenen beziehungsweise ein Mensch alle 34 Sekunden. Diese breite Kategorie unterscheidet sich von der engeren Kategorie der Herzkrankheiten in älteren Statistiken. Die ursprüngliche Analyse zitierte eine Prognose, wonach der Markt für kardiologische Geräte von 68,4 Milliarden Dollar im Jahr 2023 auf 95,8 Milliarden Dollar bis 2028 wachsen würde. Das ist eine Prognose, kein bereits erzielter Umsatz von 2028. Die direkten und indirekten Kosten von Herzkrankheiten in den USA wurden für 2018–2019 auf durchschnittlich 239,9 Milliarden Dollar jährlich geschätzt. Darin sind Produktivitätsverluste enthalten; es handelt sich nicht um heutige reine Krankenhauskosten.

Neue Behandlungen, Diagnostik und Geräte können beim Umgang mit diesen Risiken helfen. Die Übersicht entstand 2023 und enthält spätere Unternehmensmeldungen, deren Zeitpunkte im Folgenden unterschieden werden.

Fünf Unternehmen mit Bezug zur Zukunft der Kardiologie

1. Abbott Laboratories

ABT Preisdiagramm

Abbott ist ein breit aufgestellter Gesundheitskonzern mit Medizintechnik, Diagnostik, Ernährungsprodukten und etablierten Arzneimitteln. Herz-Kreislauf-Geräte sind ein wichtiger Teil des Produktangebots für medizinisches Fachpersonal. Aus der Zahl der Produkte in einer Liste lässt sich aber nicht ableiten, dass die Kardiologie mehr Umsatz erzielt als alle übrigen Geschäftsbereiche zusammen.

Auch das Diabetesmanagement ist wichtig, insbesondere durch Systeme zur Glukosemessung. Diabetes erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko, doch eine Glukosemessung ist für sich genommen keine Herzdiagnose. Abbott schloss die Übernahme von Bigfoot Biomedical im September 2023 ab und erweiterte damit seine Technik für das Insulinmanagement.

Der weltweite Umsatz von 10,1 Milliarden Dollar betraf das dritte Quartal 2023, nicht ein ganzes Jahr. Das organische Wachstum des Basisgeschäfts ohne COVID-19-Tests betrug 13,8 %. Die genannten Segmentzuwächse von etwa 10–18 % beruhten auf dieser vergleichbaren Grundlage. Der insgesamt berichtete Umsatz sank dagegen um 2,6 %.

Abbotts Herz-Kreislauf-Produkte umfassen unter anderem:

  • Elektrophysiologie: Kartierung der elektrischen Aktivität des Herzens.
  • Herzinsuffizienz: mechanische Unterstützung der Pumpfunktion und zugehörige Versorgung.
  • Herzrhythmusmanagement: Überwachungssysteme, Defibrillatoren und Herzschrittmacher.
  • Strukturelle Herzerkrankungen: Reparatur oder Ersatz von Klappen und Verschluss bestimmter krankhafter Verbindungen im Herzen.
  • Gefäßbehandlung: Stents und weitere Eingriffe an Venen und Arterien.

Abbott entwickelt neue Geräte, um seine Stellung in der Kardiologie zu unterstützen. Ein Beispiel ist der AVEIR-Schrittmacher ohne transvenöse Elektrodenleitungen, der per Katheter über die Oberschenkelvene eingesetzt wird. Er benötigt keinen Brustschnitt und keine Hauttasche wie ein herkömmlicher Schrittmacher; der Gefäßzugang erfordert aber einen kleinen Schnitt. Die Implantation erfolgt somit nicht völlig ohne Inzision.

Außerhalb der Kardiologie bietet Abbott unter anderem Neurostimulation zur Behandlung von Symptomen der Parkinsonkrankheit und Systeme zur Glukosemessung an.

Der Konzern ist außerdem in Labordiagnostik und Ernährung tätig, etwa mit Säuglingsnahrung, ENSURE und PROTALITY. Die behauptete Spitzenstellung einer Säuglingsnahrungsmarke betrifft die entsprechende Kategorie in US-Krankenhäusern, nicht alle Ernährungsprodukte weltweit.

2. Boston Scientific Corporation

BSX Preisdiagramm

Boston Scientific (BSX ) stellt Medizinprodukte für Kardiologie, Endoskopie, Urologie und Neuromodulation her.

Dazu gehören Produkte wie:

Das Unternehmen verbindet eigene Produktentwicklung, Übernahmen und Wagniskapitalinvestitionen in kleinere Firmen. Die ursprüngliche Übersicht nannte 18 Milliarden Dollar für Übernahmen seit 2011 und 35 Beteiligungen zu einem früheren Zeitpunkt. Das sind historische, keine aktuellen Gesamtsummen. Im Januar 2025 berichtete die Gesellschaft über mehr als 45 aktive Beteiligungen.

2024 entfielen etwa 64 % des Gesamtumsatzes auf Cardiovascular. Die übrigen Aktivitäten waren in MedSurg zusammengefasst, darunter Endoskopie, Urologie und Neuromodulation. Der Anteil gilt für dieses konkrete Geschäftsjahr.

Die ursprüngliche Analyse beschrieb seit 2014 historisch etwa 6–7 % durchschnittliches jährliches Umsatzwachstum und ein früheres Ziel von 8–10 % bis 2026. Ein Ziel ist kein bereits erzieltes Ergebnis. Die genannten 13–15 % beim Gewinn je Aktie bezogen sich auf bereinigte Werte in einzelnen mehrjährigen Zeiträumen, nicht zwingend auf den bilanzierten Gewinn jedes Jahres.

Auch das Wachstum der bedienten Märkte beeinflusst das Geschäft. Eine ältere Einteilung der Übersicht ordnete 45 % der Umsätze Märkten mit geschätzten 4–7 % Jahreswachstum und 35 % Märkten über 7 % zu. Das ist keine aktuelle Wachstumsrate für den Gesamtumsatz des Konzerns.

Boston Scientific strebt führende Positionen in wichtigen Produktkategorien an. Die Präsentation vom Januar 2025 nannte über 45 aktive Wagniskapitalbeteiligungen und zehn Übernahmen früherer Portfoliounternehmen. Diese Strategie kann Zugang zu Technologien schaffen, garantiert aber weder jeden Anlageerfolg noch einen dauerhaften ersten oder zweiten Platz in jedem Markt.

Anleger können prüfen, ob die Übernahmestrategie nachhaltiges Wachstum schafft. Der Hinweis auf steigende Dividenden war falsch: Boston Scientific zahlt keine Dividenden auf seine Stammaktien. Auch historische Kursgewinne garantieren keine künftigen Erträge.

3. Edwards Lifesciences Corporation

EW Preisdiagramm

Edwards Lifesciences (EW ) konzentriert sich auf strukturelle Herzerkrankungen. Miles Lowell Edwards begann 1958 mit Überlegungen zu einem künstlichen Herzen; er baute damals nicht das erste künstliche Herz. Die Zusammenarbeit mit Albert Starr führte 1960 zur erfolgreichen Implantation der Starr–Edwards-Herzklappe. Die früher genannten 800.000 Patienten waren ein historischer kumulierter Wert. Im Dezember 2024 meldete die Gesellschaft über 1,2 Millionen mit ihren TAVR-Systemen behandelte Patienten.

Das Angebot umfasst kathetergestützte und chirurgische Herzklappen sowie Technik zur Klappenreparatur. Auch die hämodynamische Überwachung gehörte zum früheren Portfolio. Bei späteren Zahlenvergleichen ist der Verkauf von Critical Care im Jahr 2024 zu berücksichtigen.

In der Präsentation vom 4. Dezember 2024 erwartete Edwards für 2025 einen Umsatz von 5,6–6,0 Milliarden Dollar. Das waren keine bereits erzielten Jahresumsätze. Für den kathetergestützten Aortenklappenersatz, korrekt TAVR abgekürzt, lagen die Erwartungen bei 4,1–4,4 Milliarden Dollar und 5–7 % Wachstum zu konstanten Wechselkursen. Der ältere Umsatzanteil von 65 % darf nicht ohne Weiteres mit Zahlen nach dem Verkauf von Critical Care kombiniert werden.

Die erste Analyse schätzte Edwards’ Anteil am betreffenden Herzklappenmarkt auf etwa 50 %, nicht an der gesamten Kardiologie. Auch die Verdopplung des potenziellen Marktes bis 2028 war eine Prognose. Alterung und besserer Zugang zur Behandlung können die Nachfrage stützen; ein potenzieller Markt ist jedoch kein garantierter Umsatz.

Forschung und Entwicklung sind wichtige Ausgaben. Die rund 1,1 Milliarden Dollar für 2024 waren eine Schätzung in der Dezemberpräsentation, kein endgültiges Jahresergebnis. Der ältere Vergleich von 50 % Zuwachs seit 2018 setzt eine einheitliche Rechnungslegungsbasis voraus. Jährliche Investitionsausgaben um 250 Millionen Dollar umfassten auch Gebäude, Ausrüstung und Infrastruktur, nicht ausschließlich zusätzliche Fertigungskapazität.

Edwards ist auf Herzklappen und Technologien für strukturelle Herzerkrankungen spezialisiert.

Regenerative Medizin und im Labor gezüchtete Klappen sind Forschungsgebiete. Es gibt keinen belegten Zeitplan dafür, dass sie heutige Produkte in zehn oder zwanzig Jahren ersetzen. Die Alterung der Bevölkerung allein garantiert Edwards weder künftige Marktführerschaft noch Rentabilität.

4. iRhythm Technologies, Inc.

IRTC Preisdiagramm

iRhythm entwickelt Systeme wie Zio zur längerfristigen ambulanten EKG-Aufzeichnung und Untersuchung von Herzrhythmusstörungen. Nicht jede Smartwatch misst den Blutdruck zuverlässig, und ein Sensor kann nicht alle Herzkrankheiten vorhersagen oder verhindern.

Die Marktdurchdringung von 25–30 %, die jährlich 1,5 Millionen Patienten und die durchschnittlichen 30 % Umsatzwachstum stammten aus einer älteren Momentaufnahme der Analyse. Es sind keine aktuellen Werte; sie dürfen nicht mit anderen Zeiträumen oder Marktdefinitionen vermischt werden.

Die Pflaster zeichnen über mehrere Tage ein EKG auf und helfen, Beschwerden mit dem Rhythmus abzugleichen. Die vom Unternehmen genannten 99 % Therapietreue beziehen sich auf die verordnete Tragedauer in den betreffenden Auswertungen. Das ist weder eine diagnostische Genauigkeit von 99 % noch eine Garantie gegen Infarkt oder Schlaganfall. Algorithmen und Datenanalyse unterstützen die medizinische Beurteilung.

In der Präsentation vom Juni 2025 meldete iRhythm über 30 % Marktdurchdringung in seinem US-Kernmarkt für ambulante Herzüberwachung, bezogen auf den 31. Dezember 2024. Außerdem nannte die Firma über zwei Millionen Patientenberichte jährlich. Berichte entsprechen nicht zwingend ebenso vielen unterschiedlichen Patienten.

Dieselbe Präsentation schätzte das jährliche Potenzial auf 500.000 Untersuchungen im Vereinigten Königreich, 2,1 Millionen in ausgewählten europäischen Märkten —Schweiz, Spanien, Österreich, Niederlande, Deutschland und Frankreich— und 1,6 Millionen in Japan. Das sind Untersuchungen, keine schon versorgten Personen oder Belege für eine gleich große Präsenz in allen Ländern. iRhythm kündigte am 1. Mai 2025 den kommerziellen Start von Zio in Japan an; es war somit nicht mehr nur ein Zukunftsziel.

Forschung zu Schlafapnoe oder Bluthochdruck bedeutet nicht automatisch eine Erlaubnis zur Diagnose oder Behandlung all dieser Erkrankungen. Die Abklärung vermuteter, noch nicht diagnostizierter Rhythmusstörungen kann bei passender klinischer Indikation ein Einsatzgebiet der Überwachung sein.

Die EKG-Analyse umfasst Algorithmen mit entsprechender FDA-Marktzulassung, der sogenannten Clearance. Das ist keine pauschale Genehmigung aller KI-Anwendungen. Geschultes Personal kontrolliert die Aufzeichnungen; die Berichte unterstützen Ärzte und ersetzen keine klinische Beurteilung.

Internationale Expansion und mehr Nutzung in den USA können Wachstumschancen bieten. Die Ergebnisse hängen auch von Erstattung, Zugang, klinischen Nachweisen und Umsetzung der Strategie ab.

Anleger, die iRhythm prüfen, sollten die Chancen gegen Expansionskosten und mögliche Verluste abwägen. Geduld und Risikotoleranz können erforderlich sein. Wachstum garantiert weder Profitabilität noch positive Anlageerträge.

5. Verve Therapeutics, Inc.

Kardiologie umfasst Prävention, Diagnostik, Arzneimittel, Eingriffe und Geräte. Verve erforscht Geneditierung zur Cholesterinsenkung. Lilly schloss die Übernahme von Verve am 25. Juli 2025 ab. Verve ist daher keine eigenständige börsennotierte Anlagemöglichkeit mehr.

Die Forschung richtet sich auf atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankungen, kurz ASCVD. Die erste Analyse nannte eine ältere Schätzung von 30 Millionen Betroffenen in den USA und der EU. Das ist kein aktueller bestätigter Wert für alle Herzkrankheiten. ASCVD hängt mit Plaques in den Arterien und mehreren Risikofaktoren zusammen.

Atherosklerotische Plaques enthalten Fette, Zellen und weiteres Material in der Arterienwand. Sie können das Gefäß verengen oder zu Blutgerinnseln beitragen, mit Folgen wie Infarkt oder ischämischem Schlaganfall. Atherosklerose ist nicht mit jeder Form von Herzinsuffizienz gleichzusetzen.

Verve transportiert mit Lipidnanopartikeln Bestandteile der Baseneditierung in Leberzellen im Körper. Zu den Forschungszielen gehören PCSK9 und die Senkung des LDL-Cholesterins, LDL-C. Die Behandlungen sind experimentell. Es ist nicht nachgewiesen, dass sie Statine dauerhaft ersetzen oder Herz-Kreislauf-Ereignisse besser verhindern.

Ziel ist eine lang anhaltende Wirkung nach einer intravenösen Infusion, nicht einer gewöhnlichen Spritze oder einer bereits bewiesenen lebenslangen Wirkung. In der Meldung vom April 2025 betraf die zeitlich gemittelte LDL-C-Senkung von 58 % nach zwei Jahren einen mit VERVE-101 behandelten Heart-1-Teilnehmer. Es war weder der Mittelwert der gesamten Gruppe noch ein Ergebnis für den anderen Kandidaten VERVE-102.

Die Programme befanden sich in früher klinischer oder präklinischer Entwicklung. Verve hatte Technologie- und Kooperationsverträge mit Beam Therapeutics (BEAM ), Lilly und Vertex mit jeweils unterschiedlichem Umfang. Nicht jedes Programm wurde von allen gemeinsam entwickelt. Die Präsentation vom April 2025 enthielt erste VERVE-102-Daten von 14 Teilnehmern, getrennt von der Nachbeobachtung zu VERVE-101. Die spätere Lilly-Übernahme änderte zudem die Unternehmensstruktur.

Cholesterinsenkung ist ein großes Therapiegebiet. Die ursprüngliche Übersicht verwies auf eine ältere Schätzung von jährlich 15,4 Milliarden Dollar für den Statinmarkt. Der Vergleich mit dem Fünfzehnfachen von Verves damaligem Börsenwert war historisch und ist nach der Übernahme kein aktueller Bewertungsvergleich. Der Gesamtmarkt ist auch kein Umsatz, den ein einzelnes experimentelles Produkt automatisch erreicht.

Geneditierung birgt erhebliche wissenschaftliche, klinische und wirtschaftliche Unsicherheit. Dieses historische Profil ist keine heutige Kaufempfehlung für eine eigenständige Verve-Aktie. Zum Hintergrund lesen Sie unseren Artikel über Gentherapie und Baseneditierung oder die Analyse zu CRISPR Therapeutics, einem anderen Unternehmen der Branche (CRSP ).

Jonathan ist ein ehemaliger Biochemie‑Forscher, der in der genetischen Analyse und in klinischen Studien gearbeitet hat. Er ist jetzt Aktienanalyst und Finanzautor mit einem Fokus auf Innovation, Marktzyklen und Geopolitik in seiner Veröffentlichung 'The Eurasian Century'.