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Offshore-Währungen: Eine andere Art, Kapitalströme zu steuern

Wie Chinas Offshore-Yuan globale Kapitalströme beeinflusst
Wenn Anleger an Währungspolitik denken, haben sie meist Zinsentscheidungen, Devisenmarktinterventionen oder Beschränkungen für den Geldtransfer ins Ausland vor Augen. Regierungen können die internationale Finanzwirtschaft jedoch auch über einen weniger sichtbaren Mechanismus beeinflussen: indem sie steuern, wie viel ihrer Währung außerhalb der eigenen Landesgrenzen verfügbar ist.
Chinas Offshore-Yuan ist ein aufschlussreiches Beispiel. Seine Bedeutung geht über den an den Handelsbildschirmen angezeigten Wechselkurs hinaus. Die Verfügbarkeit von Geld im Ausland kann die Finanzierungskosten, die Investitionsanreize und die Kanäle beeinflussen, über die internationale Anleger Zugang zu inländischen Vermögenswerten erhalten.
Eine neue Studie von Saleem Bahaj und Ricardo Reis, veröffentlicht im Journal of Macroeconomics, untersucht die Auswirkungen dieser Regelung auf die staatlichen Einnahmen.1 Die zentrale Erkenntnis lautet, dass die Steuerung von Offshore-Währungen Kapitalströme beeinflussen kann, dabei aber vergleichsweise geringe Staatseinnahmen generiert. Für Anleger hilft diese Unterscheidung zu erklären, warum eine Politik mit geringen Auswirkungen auf den Staatshaushalt dennoch für die Märkte relevant sein kann.
Was ist der Offshore-Yuan?
Der Renminbi, allgemein als Yuan bezeichnet, wird in unterschiedlichen Marktumfeldern gehandelt. CNY steht in der Regel für den Onshore-Markt auf dem chinesischen Festland, während CNH den Offshore-Markt bezeichnet. Es handelt sich um Märkte für dieselbe Landeswährung, nicht um separate Währungen, die von konkurrierenden Regierungen ausgegeben werden.
Diese Unterscheidung ist wichtig, weil sich Zugang, Liquidität und regulatorische Rahmenbedingungen unterscheiden. Im Modell der Studie verhindern Kapitalverkehrskontrollen, dass inländische Haushalte und ausländische Anleger direkt grenzüberschreitend investieren. Bankeinlagen im Ausland dienen als Zwischenkanal, während die Behörden die Offshore-Reserven kontrollieren und die Fähigkeit der Banken beeinflussen, Einlagen zu schaffen.
So entsteht ein System mit zwei Geldschichten. Die Reserven der Zentralbank bilden die Grundlage, während Geschäftsbanken das Einlagenangebot ausweiten. Die Politik kann daher die finanziellen Bedingungen im Offshore-Markt über die Verfügbarkeit von Reserven und Liquiditätsvorschriften beeinflussen, ohne jede grenzüberschreitende Transaktion als separat steuerpflichtigen Vorgang zu behandeln.
Wie Offshore-Liquidität Kapitalströme beeinflusst
Stellen wir uns einen Anleger vor, der Vermögenswerte erwerben möchte, die auf eine Währung lauten, die im Ausland nur schwer zu beschaffen ist. Die erwartete Rendite dieser Vermögenswerte ist nur ein Teil der Rechnung. Die erforderliche Finanzierung zu sichern, kann teuer sein, und diese Kosten können die Investition weniger attraktiv machen.
Im Modell der Forschenden führt ein knappes Geldangebot im Offshore-Markt zu Renditeunterschieden zwischen Offshore-Einlagen und den Erträgen, die Anleger bei uneingeschränktem Zugang zu inländischen oder ausländischen Anlagen erzielen könnten. Diese Unterschiede wirken wie eine implizite Steuer auf die Anreize für grenzüberschreitende Investitionen.
Der Vergleich mit einer Finanztransaktionssteuer ist hilfreich, greift aber zu kurz. Eine Transaktionssteuer erhebt einen ausdrücklich festgelegten Betrag auf steuerpflichtige Aktivitäten. Die Steuerung der Offshore-Liquidität verändert die finanziellen Bedingungen durch die Geldknappheit und die Kosten seiner Bereitstellung.
Die Autoren nennen praktische Vorteile: Beim Währungstausch werden gegenläufige Ströme automatisch miteinander verrechnet, die Offshore-Geldmenge lässt sich häufig anpassen, und Zentralbanken verfügen über Instrumente, mit denen sie die von Banken geschaffene Liquidität beeinflussen können. Die Studie untersucht die damit verbundenen Auswirkungen auf die staatlichen Einnahmen; sie soll nicht belegen, dass dieser Ansatz immer die beste politische Maßnahme ist.
Warum die Auswirkungen auf die Staatseinnahmen überraschend gering sind
Die Studie unterscheidet zwischen Seigniorage und Liquiditätserträgen als Einnahmequellen des Staates. Seigniorage bezeichnet den finanziellen Vorteil, der mit der Ausgabe von Geld verbunden ist. Liquiditätserträge entstehen durch den Betrieb von Kreditfazilitäten. Auch Banken können Vorteile aus der Bereitstellung von Offshore-Einlagen ziehen; diese fließen daher nicht vollständig dem Staat zu.
Eine wichtige Näherungsformel setzt die gesamten staatlichen Einnahmen ins Verhältnis zur Höhe der Offshore-Einlagen im Vergleich zum BIP und zum steuerähnlichen Keil, der mit der Knappheit im Offshore-Markt verbunden ist. Ein kleiner Markt für Offshore-Einlagen begrenzt die Einnahmebasis, selbst wenn der Mechanismus Investitionsentscheidungen beeinflusst.
| Messgröße | Ergebnis der Studie |
|---|---|
| Veranschaulichende Spanne der Staatseinnahmen | 0,07 %–0,17 % des BIP |
| Durchschnittliche CNH-Einlagen, 2017–2024 | 0,7 % des BIP |
| Durchschnittlicher geschätzter politisch bedingter Keil in China, 2017–2024 | Etwa 0,3 % |
| Geschätzte durchschnittliche staatliche Einnahmen aus CNH | 0,002 % des BIP |
Diese Zahlen müssen sorgfältig interpretiert werden. Die breitere Einnahmenspanne beruht auf beispielhaften Berechnungen mit Daten zu grenzüberschreitenden Einlagen und angenommenen Keilen. Der Wert für China ist eine Schätzung auf Grundlage der Bedingungen am Offshore-Yuan-Markt und kein geprüfter Haushaltsposten. Keine der beiden Angaben belegt, dass alle Länder dieselben Ergebnisse erzielen würden.
Unter den von ihnen modellierten Bedingungen stellen die Forschenden zudem relativ flache Einnahmenkurven fest. Eine Anpassung der Geldmenge bringt nur begrenzte zusätzliche fiskalische Erträge. Das deutet auf einen geringeren Anreiz hin, das Management von Offshore-Währungen als Einnahmequelle zu nutzen. Andere Beweggründe, Kapitalflüsse zu beschränken, bleiben davon jedoch unberührt.
Worauf Währungsanleger über Wechselkurse hinaus achten sollten
Die praktische Erkenntnis ist, dass der Preis einer Währung und die Kosten für die Finanzierung von Positionen in dieser Währung unterschiedliche Größen sind. Anleger können eine Wechselkursbewegung richtig vorhersehen und die Wirtschaftlichkeit eines Geschäfts dennoch falsch einschätzen, wenn die Finanzierung teurer wird.
Für Unternehmen gelten ähnliche Überlegungen, wenn sie Lieferanten bezahlen, Betriebskapital vorhalten oder Auslandsaktivitäten finanzieren. Der Zugang zu verlässlicher Liquidität kann ebenso wichtig sein wie die Möglichkeit, Währungen umzutauschen.
Ein sinnvoller Beobachtungsrahmen umfasst:
- Kosten der Offshore-Finanzierung und Verfügbarkeit von Einlagen.
- Unterschiede zwischen Onshore- und Offshore-Wechselkursen.
- Regeln für Sicherheiten, den Marktzugang und Liquiditätsfazilitäten.
Die Studie liefert kein Handelssignal. Ihr Wert liegt darin, die Funktionsweise der Geld- und Finanzmarktinfrastruktur mit Investitionsanreizen zu verknüpfen. Sie macht außerdem einen möglichen Zielkonflikt deutlich: Eine stärkere internationale Nutzung einer Währung kann den Offshore-Markt und dessen Einnahmepotenzial vergrößern, während politische Entscheidungsträger möglicherweise weiterhin die Kontrolle über die grenzüberschreitenden Finanzierungsbedingungen behalten wollen.
Warum digitale Zahlungen weiterhin von Liquidität abhängen
Diese Unterscheidung ist für Finanzinnovationen relevant. Schnellere Zahlungsnetzwerke können Verzögerungen bei der Abwicklung verringern. Geschwindigkeit allein gewährleistet jedoch nicht, dass die Beteiligten die benötigte Währung beschaffen, geeignete Sicherheiten einsetzen oder Gelder über regulatorische Grenzen hinweg transferieren können.
Die Erörterung von Stablecoins und einer schnelleren Wertpapierabwicklung auf Securities.io beleuchtet, wie neue Abwicklungsmodelle die Marktprozesse verändern könnten. Die Berichterstattung über Mastercards Stablecoin-Zahlungsstrategie veranschaulicht das Interesse etablierter Institutionen an alternativer Zahlungsinfrastruktur.
Der Leitfaden von Stripe aus dem Jahr 2026 zu grenzüberschreitenden Stablecoin-Zahlungen erläutert unterdessen deren Einsatz bei internationalen Überweisungen. Diese Entwicklungen betreffen die Zahlungstechnologie; in der Studie zu Offshore-Währungen geht es dagegen um monetäre Strukturen. Die Verbindung ist eine analytische Erkenntnis, keine Aussage über die Blockchain: Ein verbesserter Transfermechanismus beseitigt nicht automatisch die damit verbundenen finanziellen Einschränkungen.
Für Anleger, die Aussagen zu Fintech-Innovationen bewerten, stellt sich damit eine konkretere Frage: Werden durch eine Innovation lediglich Guthaben schneller bewegt, oder verbessert sie auch den Zugang zu Finanzierung, Währungsumtausch und nutzbaren Sicherheiten?
HSBC verbindet Anleger mit den Offshore-Yuan-Märkten
Über seine Rolle im grenzüberschreitenden Bankgeschäft und auf den Offshore-Renminbi-Märkten bietet HSBC Holdings Anlegern einen börsennotierten Zugang zu diesen Veränderungen. Besonders deutlich wird die Bedeutung des Unternehmens bei Finanzierungsmodellen, durch die sich bestehende Vermögenswerte besser nutzen lassen.
Im Februar 2025 wickelte HSBC Offshore-Renminbi-Repo-Geschäfte ab. Als Sicherheiten dienten chinesische Onshore-Anleihen, die über Northbound Bond Connect erworben worden waren. Bei einem Repo handelt es sich um eine Finanzierungsvereinbarung, bei der Wertpapiere verkauft und zugleich zu einem späteren Rückkauf vereinbart werden. HSBC stellte den teilnehmenden Kunden Liquidität bereit und übernahm für sie die Verwahrung.
Das ist ein Beispiel für praktische Infrastrukturinnovation: Anleger können geeignete Anleihebestände als Grundlage für eine Offshore-Finanzierung nutzen, statt sie lediglich als Anlagen zu halten, die irgendwann verkauft werden sollen.
HSBA Preisdiagramm
Im Juli 2026 befasste sich HSBC außerdem mit der zunehmenden Verbreitung des Renminbi und erörterte die Kreditvergabe im Ausland sowie die Ausgabe yuan-denominierter Anleihen. Dabei handelt es sich um die Markteinschätzung der Bank, nicht um eine unabhängige Bestätigung der Schlussfolgerungen der Studie.
Für Anleger, die sich für ein Engagement in dieser Infrastruktur interessieren, ist HSBC ein breit diversifiziertes Bankunternehmen. Eine stärkere Marktaktivität könnte das Finanzierungs-, Verwahrungs- und Transaktionsgeschäft stützen; die Studie enthält jedoch keine Prognose zu den Erträgen von HSBC. Kreditqualität, Zinssätze, Regulierung und die Bedingungen in den übrigen Geschäftsbereichen bleiben ebenfalls relevant.
Aktuelle Nachrichten und Entwicklungen zu HSBC Holdings (HSBA)
Was Anleger aus dem Management von Offshore-Währungen lernen können
Der übergeordnete Beitrag der Studie besteht darin zu zeigen, warum sich der geldpolitische Einfluss nicht allein an den Staatseinnahmen messen lässt. Ein Mechanismus kann nur geringe öffentliche Einnahmen generieren und zugleich beeinflussen, wie Anleger Zugang zu Märkten erhalten und Positionen finanzieren.
Die Chancen liegen darin, diese Verbindungen effizienter und verlässlicher zu gestalten. Bessere Regelungen für Sicherheiten, klarere Zugangsregeln und verlässliche Liquidität können internationale Investitionen erleichtern. Für Währungsanleger ebenso wie für Aktionäre grenzüberschreitend tätiger Finanzinstitute bietet das Verständnis dieser Infrastruktur eine nützlichere Perspektive, als sich allein auf Wechselkursprognosen zu konzentrieren.
Quellen:
1 Bahaj, S., & Reis, R. (2026). Die fiskalischen Auswirkungen paralleler Währungen. Journal of Macroeconomics, 90, Artikel 103783. https://doi.org/10.1016/j.jmacro.2026.103783












