Digitale Vermögenswerte
Poloniex schließt Vergleich über 7,6 Millionen US-Dollar mit OFAC wegen mutmaßlicher Sanktionsverstöße

Das Office of Foreign Assets Control (OFAC) des US-Finanzministeriums kündigte am 1. Mai 2023 einen Vergleich mit Poloniex an. Das Unternehmen stimmte einer Zahlung von 7.591.630 US-Dollar zu, um eine mögliche zivilrechtliche Haftung wegen mutmaßlicher Sanktionsverstöße beizulegen. Die Sache betraf Sanktionen gegen die Krim, Kuba, Iran, Sudan und Syrien. Nach Angaben von OFAC hatte die Plattform über fast sechs Jahre Transaktionen mit digitalen Vermögenswerten von mehr als 15 Millionen US-Dollar für Nutzer in diesen Gebieten abgewickelt.
„Zwischen Januar 2014 und November 2019 ermöglichte die Poloniex-Plattform Kunden, die sich offenbar in sanktionierten Gebieten befanden, Online-Transaktionen mit digitalen Vermögenswerten — Handel, Einzahlungen und Auszahlungen — mit einem Gesamtwert von 15.335.349 US-Dollar, obwohl sie aufgrund von Kundenidentifikationsdaten und IP-Adressen Anlass hatte, deren Standort zu kennen“, erklärte OFAC in einer Mitteilung vom 1. Mai 2023 auf seiner Website.
OFAC erklärte, Poloniex habe die mutmaßlichen Verstöße nicht freiwillig selbst gemeldet; die Behörde stufte den Fall nach ihren Richtlinien nicht als besonders schwerwiegend ein. Der Vergleich folgte auf frühere rechtliche Auseinandersetzungen der Plattform in den USA.
Am 9. August 2021 kündigte die US-Wertpapieraufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) einen Vergleich mit Poloniex wegen des Betriebs einer nicht registrierten Börse für digitale Wertpapiere von Juli 2017 bis November 2019 an. Ohne die Feststellungen anzuerkennen oder zu bestreiten, stimmte Poloniex einer Zahlung von insgesamt 10.388.309 US-Dollar aus Gewinnabschöpfung, Zinsen und einer zivilrechtlichen Geldbuße zu. Außerhalb der USA wurde der Plattformbetreiber im Mai 2021 Gegenstand eines Durchsetzungsverfahrens der Ontario Securities Commission (OSC).
Am 28. November 2022 hatte Kraken einen ähnlichen Vergleich mit OFAC geschlossen, weil das Unternehmen Transaktionen von Nutzern im Iran nicht ausreichend verhindert hatte. Kraken meldete die mutmaßlichen Verstöße freiwillig. Es ging um 826 Transaktionen über zusammen rund 1,68 Millionen US-Dollar von Oktober 2015 bis Juni 2019. Kraken stimmte einer Zahlung von 362.158,70 US-Dollar sowie zusätzlichen Investitionen von 100.000 US-Dollar in Maßnahmen zur Sanktionskonformität zu. Die Poloniex-Mitteilung erschien eine Woche, nachdem das US-Justizministerium (DOJ) Anklagen zur Umgehung von Sanktionen gegen Nordkorea veröffentlicht hatte.
DOJ erhebt Anklage wegen mutmaßlicher Geldwäsche mit gestohlener Kryptowährung für Nordkorea
Am 24. April 2023 verhängte OFAC Sanktionen gegen Personen, die nach Angaben des Finanzministeriums dabei halfen, von nordkoreanischen Akteuren wie der Lazarus Group gestohlene Kryptowährung in herkömmliches Geld umzuwandeln.
In einer Pressemitteilung vom 24. April 2023 beschrieb das DOJ die Anklagen gegen Sim Hyon Sop, den chinesischen Händler Wu HuiHui, den in Hongkong lebenden Cheng Hung Man mit dem Status British National (Overseas) und einen unbekannten Nutzer des Online-Namens „live:jammychen0150“, auch Jammy Chen genannt. Sie sollen gestohlene Kryptowährung gewaschen und über Hongkonger Tarnfirmen Waren für Nordkorea gekauft haben. Das Finanzministerium beschrieb Sim als stellvertretenden Vertreter der Korea Kwangson Banking Corporation, einer Tochter der Foreign Trade Bank.
„Die heutigen Anklagen zeigen, dass Nordkorea weiterhin verschiedene Mittel nutzt, um US-Sanktionen zu umgehen. Wir können und werden dem Geld folgen, sei es über Kryptowährung oder das traditionelle Bankensystem, um angemessene Anklagen gegen diejenigen zu erheben, die dieses korrupte Regime finanzieren helfen“, sagte Matthew M. Graves, Bundesstaatsanwalt für den District of Columbia.
Laut Anklage steuerte Sim Zahlungen in US-Dollar über Chen. Chen soll Wu und Cheng angeworben haben, um Tarnfirmen zu finden und Zahlungen zur Umgehung amerikanischer Sanktionen zu ermöglichen. Das Finanzministerium ordnete das Netzwerk der Finanzierung nordkoreanischer Programme für Massenvernichtungswaffen und ballistische Raketen zu. Es nannte Tabakwaren und Kommunikationsgeräte als Beispiele für Güter, die Tarnfirmen mit den umgewandelten Geldern bezahlten. Die strafrechtlichen Vorwürfe waren damals Anklagen, keine Verurteilungen.












