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Devisen 101
Was ist ein Carry Trade im Devisenhandel?

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Inhaltsverzeichnis
Je besser Händler den Devisenmarkt verstehen, desto häufiger stoßen sie auf Strategien, die verschiedene Marktmechanismen ausnutzen. Eine der ältesten und am weitesten verbreiteten dieser Strategien ist der Forex-Carry-Trade.
Ein Carry Trade konzentriert sich weniger auf kurzfristige Kursbewegungen, sondern vielmehr auf makroökonomische Fundamentaldaten – insbesondere auf die Zinsdifferenz zwischen zwei Währungen. Bei korrekter Ausführung kann ein Carry Trade Renditen sowohl aus Zinseinnahmen als auch aus günstigen Wechselkursentwicklungen generieren.
Wie ein Forex-Carry-Trade funktioniert
Im Kern geht es beim Carry Trade darum, eine Währung mit einem relativ niedrigen Zinssatz zu leihen und diese Mittel zum Kauf einer Währung mit einem höheren Zinssatz zu verwenden. Auf den Devisenmärkten geschieht dies durch eine Long-Position in einem Währungspaar und implizite Short-Position in der finanzierenden Währung.
Kauft ein Händler beispielsweise AUD/JPY, bedeutet dies faktisch, dass er japanische Yen (traditionell eine Währung mit niedriger Rendite) leiht, um australische Dollar (historisch gesehen höher rentierlich) zu erwerben. Der Händler erhält Zinsen auf die australischen Dollar und zahlt gleichzeitig Zinsen auf die geliehenen Yen.
Die Nettodifferenz zwischen diesen beiden Zinssätzen wird als Carry bezeichnet. Übersteigt die Rendite der gekauften Währung die Kosten der geliehenen Währung, generiert die Position einen positiven Carry.
Warum Carry-Trading so beliebt ist
Carry-Trading ist weiterhin beliebt, da Devisenmärkte Zinsdifferenzen besonders leicht zugänglich machen. Anders als an Anleihen- oder Geldmärkten werden Währungen stets paarweise gehandelt, wodurch Händler ihre Meinung zu relativen Zinssätzen direkt zum Ausdruck bringen können.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Hebel. Forex-Broker ermöglichen es Händlern typischerweise, mit relativ geringem Kapitaleinsatz große nominale Positionen zu kontrollieren. Selbst moderate Zinsdifferenzen können daher zu signifikanten Renditen führen – allerdings erhöht dieser Hebel auch das Risiko.
Gängige Währungspaare, die bei Carry Trades verwendet werden
Carry-Trader suchen im Allgemeinen nach einer Kombination aus niedrigverzinslichen Finanzierungswährungen und höherverzinslichen Zielwährungen mit relativ stabilen makroökonomischen Profilen.
- Finanzierungswährungen: Der japanische Yen (JPY) und der Schweizer Franken (CHF) waren historisch gesehen aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfelds beliebt.
- Zielwährungen: Der australische Dollar (AUD) und der neuseeländische Dollar (NZD) werden häufig verwendet, wenn ihre inländischen Zinssätze die der Finanzierungswährungen übersteigen.
Während Währungen von Schwellenländern höhere Renditen bieten können, bringen sie auch eine deutlich höhere Volatilität, ein höheres politisches Risiko und größere Liquiditätsengpässe mit sich, wodurch sie sich weniger für konservative Carry-Strategien eignen.
Vorteile einer Carry-Trade-Strategie
Einer der Hauptvorteile des Carry-Tradings besteht darin, dass es auch in relativ seitwärts tendierenden Märkten Renditen generieren kann. Solange die Wechselkurse stabil bleiben und Zinsdifferenzen bestehen, können Händler im Laufe der Zeit Zinserträge erzielen.
Carry Trades werden daher häufiger als mittel- bis langfristige Positionen denn als kurzfristige Spekulationsgeschäfte eingesetzt. In Kombination mit einer positiven Währungsaufwertung können die Gesamtrenditen die reinen Zinserträge übersteigen.
Wichtige Risiken und Überlegungen
Trotz seines Rufs als risikoärmere Strategie ist Carry-Trading nicht risikofrei. Wechselkursschwankungen können die über Monate angesammelten Zinserträge schnell zunichtemachen, wenn die Währung des Finanzierungsfonds stark an Wert gewinnt.
Carry Trades sind besonders in Phasen von Marktstress anfällig, wenn Anleger Risikopositionen rasch auflösen und Kapital in vermeintlich sichere Währungen umschichten. Dieses Phänomen, oft als „Carry-Trade-Auflösung“ bezeichnet, kann zu plötzlichen und erheblichen Verlusten führen.
Auch geldpolitische Änderungen bergen ein erhebliches Risiko. Zentralbanken können die Zinssätze unerwartet anpassen und so die dem Handel zugrunde liegende Zinsdifferenz verringern oder sogar umkehren. Händler müssen daher Wirtschaftsdaten, Inflationstrends und die Empfehlungen der Zentralbanken genau beobachten.
Ist Carry-Trading das Richtige für Sie?
Carry-Trading eignet sich am besten für Trader, die makroökonomische Dynamiken, Risikomanagement und Positionsgrößen verstehen. Es erfordert Geduld, disziplinierten Einsatz von Hebelwirkung und die Bereitschaft, Positionen über längere Marktzyklen hinweg zu halten.
Bei verantwortungsvoller Anwendung können Carry Trades andere Forex-Strategien ergänzen und ein einkommensorientiertes Engagement ermöglichen. Ohne angemessene Risikokontrolle kann dieselbe Strategie jedoch in volatilen Marktphasen zu überhöhten Verlusten führen.
Anthony ist ein Finanzjournalist und Unternehmensberater mit mehrjähriger Erfahrung als Autor für einige der bekanntesten Websites in der Forex-Welt. Als begeisterter Händler und Branchenjournalist lebt er derzeit in Shanghai und ist am Puls der größten Märkte Asiens.
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