Finanzierung
Collective erhält 100 Millionen US-Dollar aus einer Series-B-Finanzierungsrunde und einer Wachstumsfinanzierung

Collective, das eine KI-basierte Finanzplattform für Selbstständige betreibt, gab am 29. Oktober 2026 bekannt, dass das Unternehmen 100 Millionen US-Dollar an neuen Mitteln aufgenommen hat: eine Eigenkapitalfinanzierung der Serie B in Höhe von 40 Millionen US-Dollar und eine Wachstumsfinanzierung über 60 Millionen US-Dollar aus dem Kundenwertfonds von General Catalyst.
Laut der Mitteilung von Collective wurde die Serie B von General Catalyst, QED Investors und Gradient Ventures angeführt; auch Intuit Ventures, FT Partners und SemperVirens beteiligten sich. Die Wachstumsfinanzierung über 60 Millionen US-Dollar aus dem Kundenwertfonds von General Catalyst ist für die Kundengewinnung vorgesehen. Das Unternehmen erklärte, die Mittel würden außerdem dazu verwendet, die Produktentwicklung in den Bereichen Banking und Versicherungen zu beschleunigen.
General Catalyst stellt seinen Kundenwertfonds als Alternative dazu vor, sich ausschließlich auf Eigen- oder Fremdkapital zu stützen. Er soll die Kundengewinnung von Unternehmen finanzieren, die die Produkt-Markt-Passung bereits erreicht haben. „Mit dem CVF suchen wir nach Unternehmen mit hochwertiger Stückökonomie und großen Marktchancen“, sagte Pranav Singhvi, Partner und Co-Leiter des CVF bei General Catalyst. Singhvi bezeichnete Ein-Personen-Unternehmen als eines der dynamischsten Segmente der Wirtschaft und Collective als zentrale Anlaufstelle für deren Finanzbedarf.
„Traditionelle Wirtschaftsprüfungsgesellschaften wachsen, indem sie mehr Personal einstellen. Collective wächst mit Intelligenz“, sagte Mitgründer und CEO Hooman Radfar laut Mitteilung. Jeder Arbeitsablauf, den das Unternehmen automatisiere, und jeder Teil des Finanzangebots, den es auf die Plattform bringe, erweitere die Möglichkeiten von Collective für seine Mitglieder. Das Unternehmen arbeite darauf hin, einem Ein-Personen-Unternehmen Zugang zu den Finanzfunktionen eines deutlich größeren Unternehmens zu verschaffen, ohne dass es dafür das entsprechende Team aufbauen müsse.
Laut Mitteilung gibt es in den USA inzwischen 30 Millionen Ein-Personen-Unternehmen. Unter Berufung auf einen aktuellen Bericht von Stripe heißt es darin, dass sich die Zahl der Selbstständigen mit einem Jahresumsatz von 1 Million US-Dollar zwischen 2023 und 2025 verdoppelt habe, während sich die Zahl derjenigen mit einem Jahresumsatz von 10 Millionen US-Dollar verdreifacht habe. In einem am selben Tag veröffentlichten Begleitbeitrag bezifferte Radfar die Zahl auf 32 Millionen Ein-Personen-Unternehmen, die zusammen fast 2 Billionen US-Dollar Jahresumsatz erwirtschafteten. Ihre Zahl sei 2024 um mehr als 5 Prozent gestiegen – mehr als doppelt so schnell wie im Vorjahr.
Vom Unternehmen gemeldetes Wachstum und Umfang der Plattform
Collective berichtete, dass der jährlich wiederkehrende Umsatz gegenüber dem Vorjahr um 120 Prozent wächst, und erklärte, inzwischen die größte Plattform für Ein-Personen-Unternehmen zu sein. Nach Schätzung des Unternehmens haben seine Mitglieder bislang 350 Millionen US-Dollar an Steuern gespart; die Mitglieder mit den höchsten Einkommen sparen bis zu 40.000 US-Dollar pro Jahr. In Radfars Begleitbeitrag heißt es außerdem, dass Mitglieder nach Schätzung des Unternehmens durchschnittlich 80 Stunden pro Jahr einsparen. Collective erklärte zudem, dass sein Support-Team 50 Prozent der Anfragen eigenständig bearbeitet und dabei eine Kundenzufriedenheit von 4,5 Sternen aufrechterhält.
Die Mitteilung führt Funktionen der Plattform auf, darunter Unternehmensgründung, Buchführung, Rechnungsstellung, Lohnabrechnung, autonome Steuervorbereitung und -erklärung, Unternehmens- und Krankenversicherungen sowie ein von KI unterstütztes Team aus menschlichen Ansprechpartnern. Collective beschreibt das Produkt als vollständiges Finanzbetriebssystem, das Buchhaltung, Buchführung, Lohnabrechnung, Steuern und Finanzdienstleistungen auf einer vernetzten Plattform vereint. Die KI erledigt Arbeitsabläufe im Hintergrund, statt den Inhabern noch mehr Software zur Bedienung zu überlassen.
Die Mitteilung enthielt eine Aussage von Eddy Adams, einem Grafikdesigner, der die Plattform nutzt. Er sagte, die über Collective eingerichtete S-Corporation-Struktur spare ihm jedes Jahr Zehntausende US-Dollar an Steuern.
Frühere Finanzierungen und Produkterweiterungen
Der neuen Finanzierung ging eine Kapitalaufnahme von 50 Millionen US-Dollar voraus, die Collective am 11. Juli 2023 bekannt gab. Das Geld kam von Innovius Capital, Gradient Ventures, The General Partnership, Better Tomorrow Ventures, General Catalyst, QED, Expa und Sound Ventures. Damals erklärte das Unternehmen, die Investitionen in seine Kernplattform vertiefen und den Einsatz von KI im gesamten Produktangebot ausweiten zu wollen. Dazu zählten interne KI-Copiloten und für Mitglieder bestimmte Werkzeuge wie ein Buchhaltungs-Dashboard, eine Aufgabenverwaltung und Einblicke in die Finanzen.
Am 22. April 2026 gab Collective die Übernahme von Open Ledger bekannt, einem Unternehmen, das eine KI-basierte Buchhaltungsinfrastruktur entwickelt hatte. Collective bezeichnete die Übernahme als Schritt hin zu einem selbststeuernden Backoffice, das vierteljährliche Steuern zurücklegt, den Cashflow prognostiziert und Einsparmöglichkeiten erkennt. Am 22. Juli 2026 startete das Unternehmen ein Versicherungszentrum, über das Mitglieder in 50 Bundesstaaten eine allgemeine Haftpflicht- und Unternehmensversicherung von Coverdash sowie eine umfassende Krankenversicherung von Solo Health erhalten können. Die Krankenversicherungsbeiträge werden automatisch in die Lohnabrechnung und die Steuerberechnungen von Collective übernommen.
In der Mitteilung vom Juli wurden Daten des U.S. Census Bureau zu Unternehmen ohne Beschäftigte, aufgeschlüsselt nach demografischen Merkmalen, aus der im Mai 2025 veröffentlichten Ausgabe mit Daten für 2022 angeführt. Demnach gab es fast 30 Millionen Unternehmen ohne Beschäftigte, die jährliche Einnahmen von 1,7 Billionen US-Dollar erzielten. In der Mitteilung hieß es außerdem, dass 77 Prozent der kleinen Unternehmen unterversichert seien und 83 Prozent nicht korrekt beschreiben könnten, welchen Schutz ihre eigene Haftpflichtversicherung bietet.
Radfar sagte, die neuen Mittel würden Collective ermöglichen, weitere Arten von Unternehmen zu unterstützen, darunter auch solche mit Beschäftigten, KI auf mehr Aufgaben in den Bereichen Buchhaltung, Steuern, Lohnabrechnung und Support anzuwenden und neue Dienstleistungen hinzuzufügen. Er beschrieb diese Vorhaben als Schritte hin zu einer umfassenden Finanzplattform für Menschen, die selbstständig arbeiten.












