Digitale Vermögenswerte
XRP und die Hinman-Dokumente: Erwartungen von 2023 und späterer Verfahrensausgang

Im Juni 2023 geriet der Kryptomarkt nach den SEC-Klagen gegen Coinbase und Binance unter Druck, während XRP vergleichsweise widerstandsfähig blieb. Die folgenden Marktdaten beziehen sich auf den ursprünglichen Veröffentlichungszeitpunkt und sind keine aktuellen Kurse.
Damals stieg XRP innerhalb einer Woche von 0,50 auf 0,54 US-Dollar, bevor der Kurs am Wochenende mit dem Gesamtmarkt fiel.
Nach einem Rückgang um fast 10 Prozent am Samstag erholte sich der Kurs. Der ursprüngliche Artikel nannte etwa 0,530 US-Dollar, ein Tagesplus von 2,2 Prozent und ein Handelsvolumen von 1,37 Milliarden US-Dollar.
Im damaligen Vergleich der 50 größten Kryptowährungen nach Marktkapitalisierung wurden für XRP 4,5 Prozent Wochenplus und für Bitcoin 1,7 Prozent angegeben. Diese Momentaufnahme sagt nichts über die spätere Entwicklung aus.
XRP ist der native Vermögenswert des XRP Ledger (XRPL). Ripple ist ein eigenständiges Unternehmen, das unter anderem Zahlungsdienste entwickelt. XRP kann als Brückenwährung bei Zahlungen zwischen verschiedenen Währungen dienen; seine Einsatzmöglichkeiten beschränken sich nicht auf Finanzinstitute.
Der ursprüngliche Artikel bezifferte die Marktkapitalisierung auf 27,6 Milliarden US-Dollar und den Anstieg seit Jahresbeginn 2023 auf mehr als 56 Prozent. Das genannte Hoch von 3,40 US-Dollar im Januar 2018 und der Abstand von 84,37 Prozent beruhen auf der damaligen Kursreihe, nicht auf aktuellen Marktdaten.
Die damalige Analyse beschrieb 0,55 US-Dollar als Widerstandsmarke. Die Hinman-Dokumente weckten Erwartungen, garantierten aber weder einen Sieg Ripples noch einen Kursausbruch.

Die Veröffentlichung der Hinman-Dokumente
Die Dokumente im Zusammenhang mit William Hinmans Rede wurden im Juni 2023 öffentlich. Sie betrafen interne SEC-Beratungen zur Vorbereitung der Rede von 2018 und wurden im Ripple-Verfahren vorgelegt.
Brad Garlinghouse erklärte damals, das Warten von mehr als anderthalb Jahren habe sich gelohnt. Das war seine Bewertung der Bedeutung der Dokumente.
Ripple erhielt die Unterlagen 2022 im gerichtlichen Beweisermittlungsverfahren. Die SEC hatte sich zuvor unter anderem auf den Schutz interner Beratungen und vertraulicher Rechtsberatung berufen.
Die zuständige Richterin Analisa Torres lehnte später den Antrag der SEC ab, die beim Gericht eingereichten Dokumente gegenüber der Öffentlichkeit geheim zu halten. Das betraf den Zugang zu Gerichtsunterlagen und entschied noch nicht sämtliche Ansprüche im Hauptverfahren.
William Hinman hielt seine Rede am 14. Juni 2018 als Leiter der SEC-Abteilung für Unternehmensfinanzierung. Er stellte auf die Umstände eines Verkaufs ab: Ein zuvor im Rahmen eines Wertpapierangebots verkaufter Token könne unter bestimmten Umständen später ohne Wertpapiertransaktion verkauft werden. Er erklärte weder Bitcoin ursprünglich zum Wertpapier noch alle dezentralisierten Token automatisch für ausgenommen.
Hinman bewertete damalige Angebote und Verkäufe von Ether anhand des damaligen Ethereum-Netzwerks und seiner Dezentralisierung. Die frühere Mittelbeschaffung bei der Entstehung von Ether klammerte er dabei aus. Die Rede gab seine Ansicht wieder und war keine verbindliche SEC-Regel.
Ripple sah in den Dokumenten Material zur Unterstützung seiner rechtlichen Argumente und zur Unklarheit der Regulierung digitaler Vermögenswerte.
Das Unternehmen berief sich auf die Rede zur Unterstützung seiner Position zu XRP. Hinmans Aussagen über Bitcoin und Ether entschieden jedoch nicht automatisch die rechtliche Einordnung sämtlicher XRP-Verkäufe.
Der Erhalt und die Veröffentlichung der Unterlagen standen hier im Zusammenhang mit gerichtlicher Beweisermittlung und Entscheidungen über die Vertraulichkeit von Gerichtsakten. Sie sollten nicht schlicht als Folge eines Informationsfreiheitsantrags Ripples dargestellt werden.
Die SEC betonte, Hinman habe seine persönliche Ansicht geäußert. Die Rede war für sich genommen weder eine offizielle Regel noch eine bindende Entscheidung der Kommission.
Einwände gegen die Herausgabe vertraulicher Unterlagen und der spätere Antrag auf Geheimhaltung eingereichter Gerichtsunterlagen waren unterschiedliche Verfahrensfragen. Letzterer betraf die öffentliche Einsicht in Beweise, nicht die Beendigung des Verfahrens.
Torres verwies auf das starke öffentliche Zugangsinteresse an diesen Gerichtsunterlagen. Garlinghouse bezeichnete den Beschluss als Erfolg für Transparenz.

Damals geäußerte Erwartungen und der spätere Ausgang
Die SEC erhob am 22. Dezember 2020 Klage. Sie warf Ripple vor, seit 2013 durch nicht registrierte XRP-Angebote mehr als 1,3 Milliarden US-Dollar eingenommen zu haben, nicht ausschließlich im Jahr 2013. Entwicklung und Start des XRPL gingen der Unternehmensgründung voraus.
Auch Brad Garlinghouse und Christian Larsen wurden verklagt. Ripple widersprach den Ansprüchen und verteidigte sich vor Gericht.
Das Bundesgericht im südlichen Bezirk von New York prüfte bestimmte Angebote und Verkäufe nach dem Wertpapierrecht. Das Verfahren war keine einfache Entscheidung zwischen Wertpapier und Rohstoff, die automatisch die gesamte Kryptobranche erfasste.
Im Juni 2023 erwartete Garlinghouse eine Entscheidung innerhalb weniger Wochen. Das war die Prognose eines Verfahrensbeteiligten, kein verbindlicher Zeitplan des Gerichts.
Ripples Chefjurist Stuart Alderoty kritisierte anhand veröffentlichter E-Mails und Entwürfe die aus seiner Sicht durch Hinmans Rede entstandene Unklarheit. Seine Kommentare waren die Position einer Prozesspartei.

Laut Alderoty hatte Hinman geschrieben, er sehe keinen Bedarf, ETH als Wertpapier zu regulieren, und ein Gespräch mit Vitalik Buterin erwähnt. Daraus entstand keine bindende gerichtliche Entscheidung über XRP.
Alderoty bestritt außerdem, dass die SEC die Voraussetzungen des Howey-Tests nachgewiesen habe. Dieser prüft unter anderem eine Investition in ein gemeinsames Unternehmen mit Gewinnerwartung aus den Leistungen anderer. Er ist keine automatische Klassifizierungsliste für jeden Token.
Die SEC nannte in ihren Coinbase- und Binance-Klagen vom Juni 2023 verschiedene andere Kryptowerte. Dass XRP dort nicht aufgeführt war, bedeutete weder eine aufsichtsrechtliche Genehmigung noch das Ende des gesonderten Ripple-Verfahrens.
Die Dokumente gaben Einblick in die Vorbereitung der Rede und interne Beratungen. Sie bewiesen keine allgemein verbindliche SEC-Ausnahme für Ether-Transaktionen und garantierten keinen Sieg Ripples.

Yoshitaka Kitao von SBI Holdings unterstützte Ripple und erwartete 2023 einen Abschluss innerhalb weniger Wochen. SBI hatte ein wirtschaftliches Interesse an Ripple; der Kommentar war daher die Einschätzung eines interessierten Beteiligten.
Kitao erwartete von einer für Ripple günstigen Entscheidung steigende XRP-Kurse und stärkere Nutzung. Ein Gerichtsurteil garantiert solche Ergebnisse nicht.
Er sprach auch über einen möglichen Börsengang Ripples und Vorteile für SBI. Das war weder ein bereits erfolgter Börsengang noch ein verbindlicher Terminplan.
Garlinghouse hatte bereits 2020 vor der SEC-Klage vom Dezember über einen möglichen Börsengang gesprochen. Frühere Aussagen belegten keinen beschlossenen IPO und keinen festen Termin.
Lesen Sie unseren Leitfaden zu Investitionen in XRP.
Netzwerkentwicklung und Forschungskooperationen
Ripple setzte seine Kooperationsprojekte während des Verfahrens fort. Diese Projekte entschieden nicht über den Ausgang des Rechtsstreits.
Die University of Toronto kündigte im Juni 2023 an, im Rahmen der University Blockchain Research Initiative (UBRI) einen unabhängigen XRP-Ledger-Validator betreiben zu wollen. Ein Validator beteiligt sich an der Konsensbildung des Netzwerks.
UBRI startete 2018 mit einer Finanzierungszusage Ripples über 50 Millionen US-Dollar. Der ursprüngliche Artikel vom Juni 2023 nannte insgesamt 80 Millionen US-Dollar zugesagte Mittel und mehr als 47 Millionen US-Dollar ausgezahlte Unterstützung für Hochschulpartner. Zusagen und bereits ausgezahlte Beträge sind unterschiedliche Größen.
Nach Angaben Ripples unterstützte die Zusammenarbeit Blockchain-Forschung in Kanada und technische Qualifizierungsmöglichkeiten für Studierende.
Die University of Toronto ergänzte die bestehenden kanadischen Partner Toronto Metropolitan University und University of Waterloo.
Eric van Miltenburg, bei Ripple für strategische Initiativen zuständig, betonte langfristige Bildungsangebote und die Ausbildung qualifizierter Fachkräfte. Beides sei für die Branche wichtig, auch wenn Unternehmen Aktivitäten außerhalb der USA erwögen.
Ripple verfolgt das Ziel, grenzüberschreitende Zahlungen zu beschleunigen und ihre Kosten zu senken. Tatsächliche Ergebnisse hängen vom Dienst und seinen Einsatzbedingungen ab.
David Schwartz erläuterte 2023 die ursprünglichen Ziele des XRPL. Das Netzwerk wurde 2011–2012 unter anderem für Zahlungen entwickelt; seine Möglichkeiten beschränken sich nicht auf Überweisungen zwischen Banken.
Schwartz erklärte, wirtschaftliche Aktivität auf der dezentralen Börse des XRPL habe Ripples Entscheidung beeinflusst, sich 2014 auf Zahlungen zu konzentrieren.
Nach seiner Darstellung unterstützten die wachsende Netzwerknutzung und die Möglichkeit zur Abwicklung von Unternehmenszahlungen mit Kryptowerten diese Richtung. Das war seine Erklärung der Unternehmensstrategie, kein Beleg dafür, dass niemand sonst vergleichbare Dienste entwickelte.
Schwartz zufolge sollten zugleich die umfassenderen Fähigkeiten des XRPL erhalten bleiben: mehrere Vermögenswerte, währungsübergreifende Zahlungen und Handel. Währungsübergreifend bedeutet nicht zwangsläufig grenzüberschreitend.
Der ursprüngliche Artikel verwies auf einen CoinShares-Bericht vom Juni 2023 mit rund einer halben Million US-Dollar Nettozuflüssen in XRP-Anlageprodukte in der betreffenden Woche. Das erfasste die beobachteten Produkte, nicht den gesamten XRP-Handel.
In derselben historischen Betrachtung waren die Nettozuflüsse in XRP-Anlageprodukte seit Jahresbeginn 2023 auf rund vier Millionen US-Dollar gestiegen.
Der spätere Ausgang und die Grenzen seiner Wirkung
Bei Veröffentlichung im Juni 2023 stand die Hauptentscheidung noch aus. Am 7. August 2025 gab die SEC die vereinbarte Rücknahme der Rechtsmittel beider Parteien bekannt. Die zivilrechtliche Geldbuße von 125.035.150 US-Dollar und das gerichtliche Verbot weiterer Verstöße gegen Registrierungsvorschriften blieben bestehen.
Die im ursprünglichen Artikel prognostizierte starke Kurssteigerung war spekulativ. Eine günstige Rechtsentscheidung garantiert weder einen XRP-Kursanstieg noch breite Nutzung.
Rechtliche Klarheit macht XRP auch nicht automatisch zur vertrauenswürdigsten Anlage, löst keinen neuen Bullenmarkt aus und garantiert kein neues Kurshoch.
Zudem kann das Ergebnis des Verfahrens zwischen SEC und Ripple die Bewertung bestimmter Angebote und Verkäufe beeinflussen. Eine einzelne Entscheidung legt nicht automatisch die Regulierung der gesamten Branche fest.
Die Zuständigkeit der SEC hängt vom Gesetz und den Umständen der jeweiligen Tätigkeit ab. Ein einzelnes Verfahren macht sie nicht zur alleinigen Aufsicht sämtlicher Kryptoaktivitäten.
Die ursprünglichen Prognosen über umfassende Tokenklassifizierungen, Geldbußen und Abwanderung ins Ausland waren mögliche Szenarien, keine sicheren Folgen oder Belege für eine Rückkehr zu vollständiger Dezentralisierung.












