ETFs
Was ist ein ETF (Exchange Traded Fund)?
ETFs, oder Exchange‑Traded Funds, sind eine der wichtigsten Produktinnovationen in der Geschichte der Investmentbranche. ETFs bieten Anlegern eine günstige und effiziente Möglichkeit, diversifizierte Exposure am Aktienmarkt zu erhalten.
ETFs haben sich inzwischen als Werkzeuge etabliert, die das Fundament jedes Portfolios bilden können, egal ob es selbst verwaltet oder von Anlageberatern bzw. Robo‑Advisors gemanagt wird.
Definition von ETFs
ETFs sind börsennotierte Trusts, die ein Portfolio von Wertpapieren besitzen. In der Regel ist der Fonds so strukturiert, dass er einen Index nachbildet und verfolgt. Er hält daher Wertpapiere in exakt derselben Gewichtung wie der Index, den er abbildet. ETFs sind an Börsen öffentlich gelistet und können wie andere börsengehandelte Aktien gehandelt werden.
Geschichte der ETFs
Bevor ETFs eingeführt wurden, waren Investmentfonds und Investment Trusts die einzigen Möglichkeiten für Privatanleger, in ein Portfolio von Wertpapieren zu investieren, ohne selbst ein Portfolio aufzubauen.
Investmentfonds gewannen in den 1970er und 1980er Jahren an Dynamik dank starker Leistungen einiger weniger Fonds. In den 1990er Jahren wurde jedoch deutlich, dass die Mehrheit der Investmentfonds ihre Benchmark nicht übertraf. In diesem Zeitraum begannen Indexfonds – Investmentfonds, die Marktindizes nachbilden – ebenfalls bei Anlegern an Beliebtheit zu gewinnen. Diese Fonds wurden entwickelt, um die Performance eines Index zu replizieren, anstatt ihn zu übertreffen, und dafür wurde eine niedrigere Gebühr erhoben.
Der erste Exchange‑Traded Fund wurde 1993 von State Street (STT ) Global Investors aufgelegt. Der Fonds bildet den S&P 500‑Index mit dem Ticker SPY ab, und die Anteile werden häufig als SPDRs oder Spiders bezeichnet. Er bleibt der größte ETF nach Wert, mit 298 Milliarden US‑Dollar an Vermögen (Stand August 2020).
Seit der Einführung des ersten ETFs wurden über 6.000 Fonds aufgelegt. Es wurden Fonds geschaffen, die beliebte Indizes sowie spezifische Anlageklassen, Sektoren und Investment‑Themen nachbilden. Tatsächlich wird wahrscheinlich immer dann, wenn es eine Nachfrage nach einer bestimmten Art von Investition gibt, ein ETF geschaffen, um dieser Nachfrage gerecht zu werden.
Beispiele für ETFs
Wie bereits erwähnt, ist der erste und größte ETF der SPDR S&P 500 Indexfonds, der alle 500 Aktien des Index in exakt derselben Gewichtung hält. Mindestens fünf weitere an US‑Börsen notierte ETFs bilden ebenfalls den S&P500 ab, während zahlreiche weltweit an Börsen gelistete ETFs denselben Index nachbilden.
Ähnliche Fonds bilden den Dow‑Jones‑Industrial‑Index mit 30 Aktien und den Nasdaq‑Composite‑Index mit 100 Aktien ab. Der größte globale ETF ist der Vanguard FTSE Developed Markets Fonds, der den MSCI EAFE‑Index nachbildet. Dieser Fonds hält 1.889 Aktien, die in entwickelten Märkten außerhalb Nordamerikas gelistet sind.
Der SPDR Gold Trust (GLD), der physisches Goldbarren hält, ist der am meisten gehandelte Rohstoff‑ETF. Der größte Anleihen‑ETF ist der Vanguard Total Bond Market ETF, der den Barclays Capital U.S. Aggregate Bond Index nachbildet. Dieser Fonds hält US‑Staatsanleihen und staatlich gesicherte Hypothekenwerte.
Arten von ETFs
Die meisten großen ETFs bilden Leitindizes des Aktienmarktes wie den S&P 500, den FTSE 100 oder den Nikkei 225 nach. Diese Indizes enthalten die wertvollsten Unternehmen jedes Marktes und sind typischerweise nach Marktkapitalisierung gewichtet. Wenn Sie in diese ETFs investieren, sind Sie stets in die größten Unternehmen eines jeweiligen Marktes investiert. Es gibt jedoch zahlreiche weitere ETF‑Arten, die nach anderen Kriterien strukturiert sind.
- Sektor‑ETFs investieren in bestimmte Aktienmarktsektoren wie den Finanz‑ oder Technologiesektor.
- Anleihen‑ETFs investieren in Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Hochzinsanleihen.
- Rohstoff‑ETFs investieren in physische Rohstoffe und Edelmetalle. Einige Fonds wie der SPDR Gold Trust halten nur einen Vermögenswert (physisches Gold), während andere Rohstoffindizes nachbilden und ein Portfolio von Rohstoffen halten.
- Multi‑Asset‑ETFs investieren in ein breites Spektrum von Anlageklassen. Diese Fonds werden häufig entwickelt, um den Vorschriften von Pensionsfonds zu entsprechen, die die Exponierung gegenüber bestimmten Anlageklassen begrenzen.
- Immobilien‑ETFs investieren in REITs (Real Estate Investment Trusts) und andere immobilienbezogene Wertpapiere.
- Internationale ETFs investieren in Aktien aus aller Welt. Diese Fonds können weiter zwischen entwickelten und Schwellenländern unterschieden werden, sowie danach, ob US‑Aktien einbezogen sind oder nicht.
Die oben aufgeführten ETF‑Arten machen die größten Fonds aus. Weitere spezialisierte Fondstypen umfassen das Folgende:
- Marktkapitalisierungs‑ETFs konzentrieren sich auf Unternehmen einer bestimmten Größe, von Large‑Cap bis hin zu Mid‑, Small‑ und Micro‑Cap‑Aktien.
- Industrie‑ETFs haben einen engeren Fokus als Sektor‑Fonds. Beispiele sind Biotechnologie, Cybersicherheit und Cannabis-Unternehmen.
- Investment‑Style‑ETFs bilden Indizes nach, die Unternehmen nach Investment‑Faktoren auswählen. Dazu gehören Wachstum, Value, Volatilität und Einkommen.
- Währungs‑ETFs investieren in Währungsportfolios oder in einzelne Währungen.
- Leveraged‑ETFs erhöhen die Exponierung eines Fonds durch den Einsatz von Derivaten. Diese Fonds bieten typischerweise eine Exponierung, die dem 2‑ bis 3‑fachen des Fondsvermögens entspricht. Das bedeutet, dass sowohl positive als auch negative Renditen verstärkt werden.
- Inverse‑ETFs sind so strukturiert, dass sie positive Renditen erzielen, wenn ein Index fällt, aber auch negative Renditen, wenn der Index steigt. Sie können zur Absicherung eines Portfolios oder zur Spekulation auf einen Marktabschwung verwendet werden.
Vor- und Nachteile von ETFs
ETFs bieten Anlegern mehrere bemerkenswerte Vorteile, jedoch gibt es auch einige Nachteile, die beachtet werden sollten.
Vorteile des ETF‑Investierens:
- Der offensichtlichste Vorteil von ETFs ist, dass die Gebühren deutlich niedriger sind als bei Investmentfonds. Aktienindizes sind langfristig gestiegen, während nur wenige Anleger es geschafft haben, diese Indizes konsequent zu übertreffen. ETFs ermöglichen es Ihnen, die Marktrendite bereits für nur 0,1 % pro Jahr zu erzielen.
- Die meisten ETFs bieten sofortige Diversifikation mit nur einer Investition. Ein gut diversifiziertes Portfolio muss mindestens 20 Aktien aus verschiedenen Sektoren enthalten. Wenn Sie einen ETF kaufen, der einen Marktindex mit mindestens 20 Bestandteilen abbildet, erwerben Sie effektiv ein diversifiziertes Portfolio.
- ETF‑Investitionen sind in Bezug auf Zeit und Handelskosten sehr effizient. Sie müssen keine Zeit damit verbringen, einzelne Aktien auszuwählen und zu handeln, und Sie müssen keine Provision für jede zugrunde liegende Aktie zahlen.
- ETFs bieten zudem steuerliche Vorteile. Wenn Sie einzelne Aktien besitzen, können Sie beim Verkauf jeder Aktie der Kapitalertragssteuer unterliegen. Bei ETFs entsteht die Kapitalertragssteuer nur beim Verkauf des ETFs.
- Schließlich ermöglichen ETFs Ihnen, früher mit dem Investieren zu beginnen. Das Investieren in Investmentfonds erfordert ein gewisses Wissen, und das Investieren in einzelne Aktien erfordert noch mehr Wissen. Für den Einstieg in ETFs, die Marktindizes nachbilden, ist nur sehr wenig Wissen nötig.
Nachteile des ETF‑Investierens:
- Die meisten ETFs erzielen nur die Marktrendite und erzeugen keine zusätzlichen Renditen.
- Beim Kauf eines ETFs fallen Provisionen an, im Gegensatz zu No‑Load‑Investmentfonds, die keine Provisionen erheben.
- Spezialisierte ETFs wie Leveraged‑, Inverse‑, Sektor‑ und Industrie‑Fonds bringen jeweils eigene Risiken mit sich.
ETFs vs. Aktien
ETFs sind an Börsen gelistet wie andere Aktien und werden ebenso gehandelt. Was ist also der Unterschied zwischen beiden?
Traditionelle Aktien repräsentieren einen Miteigentumsanteil an einem Unternehmen. Der Wert der Aktie spiegelt den Wert der Unternehmensvermögen und/oder dessen zukünftiger Gewinne wider. ETFs geben ihren Inhabern ein Miteigentum an einem Korb von Wertpapieren. Der Wert des Fonds entspricht dem Preis, zu dem diese Wertpapiere gehandelt werden. Der Handelspreis eines ETFs wird durch Angebot und Nachfrage bestimmt, liegt jedoch in der Regel nahe am Nettoinventarwert der zugrunde liegenden Bestände.
ETFs vs. Investmentfonds
ETFs und Investmentfonds sind beide Produkte, die Anlegern ermöglichen, mit nur einer Transaktion in ein Portfolio von Wertpapieren zu investieren. Es gibt jedoch mehrere Unterschiede. Die wichtigsten Unterschiede sind die folgenden:
- In den meisten Fällen bilden ETFs passiv einen Index ab, während ein Fondsmanager einen Investmentfonds aktiv verwaltet. Allerdings gibt es auch aktiv gemanagte ETFs, und einige Investmentfonds sind Indexfonds, die passiv gemanagt werden.
- Investmentfonds erheben höhere Verwaltungsgebühren, da sie teurer zu verwalten sind. Investmentfonds benötigen größere Teams von Fondsmanagern und Analysten als ETFs.
- Wenn Sie in einen Investmentfonds investieren, erfolgt die Investition zu einem Preis, der dem NAV (Nettoinventarwert) des Fonds entspricht. Beim Kauf eines ETFs wird der Preis vom Markt bestimmt, liegt jedoch in der Praxis meist nahe am NAV.
Wie ETFs funktionieren
ETFs werden von zwei Arten von Unternehmen geschaffen und verwaltet: dem ETF‑Emittenten und den Authorized Participants.
Bekannte ETF‑Emittenten sind iShares, Vanguard, State Street und Invesco. Diese Unternehmen sind für die Auflegung, Underwriting und Vermarktung von ETFs verantwortlich. Bevor ein Fonds aufgelegt wird, wählt der Emittent einen bestehenden Index aus oder erstellt einen neuen Index, den der Fonds nachbilden soll. Anschließend wird eine juristische Person zur Haltung der Wertpapiere gegründet und finanziert.
Authorized Participants (APs) sind Banken oder Broker, die für das tägliche Management des Fonds verantwortlich sind. Das bedeutet, dass sie befugt sind, Anteile zu schaffen oder einzulösen und als Market Maker für die ETF‑Anteile zu fungieren. APs geben ein Geld- und Briefkursangebot oberhalb und unterhalb des NAV des Fonds ab, um stets Liquidität für Anleger sicherzustellen.
Steigt die Nachfrage, erstellt der AP neue ETF‑Anteile und kauft die entsprechenden Wertpapiere, die vom Trust gehalten werden. Umgekehrt, wenn das Angebot zu groß ist, storniert der AP Anteile und verkauft die zugehörigen Wertpapiere. Ändert sich der Index, weist der Emittent den AP an, Wertpapiere zu kaufen oder zu verkaufen, um sicherzustellen, dass der Fonds den Index nachbildet.
Verwaltungsgebühren werden täglich vom NAV eines ETFs abgezogen. Da die jährliche Verwaltungsgebühr über das ganze Jahr verteilt wird, sind die täglichen Anpassungen sehr klein und kaum bemerkbar. Dividenden und andere Erträge werden monatlich oder quartalsweise ausgeschüttet.
ETF‑Anlagestrategien
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, in ETFs zu investieren. Eine der einfachsten für langfristige Anleger ist das Dollar‑Cost‑Averaging (DCA). In diesem Fall können Sie einfach einen festen Betrag in regelmäßigen Abständen investieren.
Wenn Sie ein Portfolio von ETFs aufbauen möchten, können Sie eine strategische Asset‑Allocation-Strategie anwenden. Dabei bestimmen Sie den Prozentsatz Ihres Portfolios, den Sie in jedem ETF oder jeder Anlageklasse halten möchten. Anschließend tätigen Sie nachfolgende Investitionen in die Fonds, die unter ihrem Zielgewicht liegen, wodurch das Portfolio im Laufe der Zeit an die Zielallokation angepasst wird. Sie können das Portfolio auch in regelmäßigen Abständen neu ausbalancieren, um die Allokation mit der Zielallokation in Einklang zu halten.
Ein etwas aktiverer Ansatz ist die taktische Asset‑Allocation. Dabei kann die Gewichtung jedes Fonds oder jeder Anlageklasse angepasst werden, wenn sich die Marktbedingungen ändern.
Die Core/Satellite-Strategie kombiniert ETFs mit einzelnen Aktien. Dabei wird ein Kernbestand an ETFs mit einem kleineren Portfolio einzelner Aktien kombiniert. Dieser Ansatz zielt darauf ab, durch Aktienauswahl eine gewisse Outperformance zu erzielen, während die Marktrendite über die ETFs erwirtschaftet wird.
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Fazit
Exchange‑Traded Funds sind die günstigsten und effizientesten Investmentprodukte, die es Ihnen ermöglichen, die gleiche Rendite wie breite Marktindizes zu erzielen. Sie können zudem verwendet werden, um ein Portfolio mit diversifizierter Exponierung gegenüber bestimmten Anlageklassen, Sektoren, Branchen und Investment‑Themen aufzubauen. Vielleicht am wichtigsten ist, dass sie ein Mittel sind, mit sehr wenig Kapital oder Wissen mit dem Investieren zu beginnen.













