Investieren 101

Direktes Indexieren erklärt: Wie es funktioniert und warum man es tun sollte?

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Der Aufstieg des Indexinvestierens

Seit dem Start des ersten Indexfonds von Vanguard im Jahr 1976 hat sich das Indexinvestieren zu einer Branche mit mehr als 16 Billionen US‑Dollar an verwalteten Vermögenswerten entwickelt. Insgesamt macht das passive Indexinvestieren jetzt über 50 % der US‑Aktienfonds‑Vermögenswerte aus.

Der Hauptgrund ist, dass es eine einfache Möglichkeit bietet, ein Portfolio zu diversifizieren und eine gute Methode für die meisten langfristigen Anleger darstellt. Heute gewinnt eine weitere Methode, das sogenannte „Direct Indexing“, an Bedeutung, verfeinert die Indexinvestitionsmethoden und gibt den Anlegern etwas Kontrolle zurück, die sonst bei Fondsmanagern liegt.

Hier sind zehn der häufigsten Fragen zum Direct Indexing – und warum sie wichtig sind.

1. Was ist Direct Indexing?

Direct Indexing bezeichnet die Praxis, die Aktien, aus denen ein Index besteht, direkt zu kaufen, um dessen Performance nachzubilden. Dies ersetzt den Kauf von Indexfonds oder ETFs.

Lange Zeit war diese Methode das Vorrecht ultra-reicher Personen oder Institutionen, die sie nutzten, um die Verwaltungsgebühren von Fonds und ETFs zu vermeiden.

Dank der Einführung von provisionsfreiem Handel, Bruchteilsaktien und flexibleren Fintech‑Investitionsplattformen wird sie zunehmend für Privatanleger zugänglich.

2. Wie funktioniert Direct Indexing?

Um einen Index zu replizieren, müssen Anleger jede der im Index enthaltenen Aktien separat kaufen und zwar im vom Index vorgegebenen Verhältnis. Die Aktien werden nicht in einem gemeinsamen Fonds gehalten, sondern in einem separat verwalteten Konto (SMA).

Direct Indexing ist bei vielen Investmentfirmen und Online‑Handelsplattformen verfügbar: Wealthfront, Wealthsimple, Interactive Brokers, Fidelity, Schwab, Vanguard, Public, Frec.

Obwohl dies theoretisch manuell durchgeführt werden kann, wird das Abbilden der Gewichtung einzelner Aktien des Ziel‑Indexes normalerweise mit Optimierungssoftware erledigt. Oft wird ein solches Tool von der Handelsplattform bereitgestellt.

Im Gegensatz zu ETFs und anderen Indexfonds ermöglicht das direkte Eigentum mehr Flexibilität, da das Portfolio individuell angepasst werden kann und damit bewusst nicht exakt den Index repliziert.

3. Vorteile von Direct Indexing: Steuern, Kontrolle und Anpassung

Der wichtigste Vorteil von Direct Indexing ist ein höheres Maß an Kontrolle, das hilft, die Steuer­effizienz des Anlagekontos zu verbessern.

Die zentrale Methode hierfür ist das Tax‑Loss‑Harvesting. Da jede Aktie einzeln gehalten wird und nicht als Block in einem Indexfonds, können verlustbringende Positionen verkauft werden, um den steuerlichen Verlust „zu ernten“ und Kapitalgewinne in anderen Teilen des Portfolios auszugleichen (siehe unten Punkt #7 für eine detailliertere Erklärung).

Je nach Dienstleister/Optimierungssoftware und Präferenz kann Direct Indexing ein deutlich höheres Maß an Anpassung bieten:

  • Wertorientiertes Investieren, bei dem bestimmte Unternehmen oder Teilsektoren, insbesondere ESG‑basierte Ausschlüsse, ausgeschlossen werden.
  • Sektor‑Gewichtungen: Die Exponierung gegenüber einigen Sektoren des Index kann um einen bestimmten Prozentsatz erhöht werden, während andere um denselben Betrag reduziert werden. Eine zu starke Gewichtung kann das Portfolio vom Indexinvestieren abdriften lassen, da es den Index nicht mehr exakt repliziert.
  • Das Rebalancing kann in einem gewählten Intervall erfolgen, anstatt dem vom ETF‑ oder Fondsmanager vorgegebenen Zeitplan zu folgen.

Hinweis: Die Verwaltungsgebühren für Direct Indexing sind oft etwas höher als bei ETFs. Man kann mit einer Verwaltungsgebühr von etwa 0,30 % bis 0,40 % für eine Direct‑Indexing‑Lösung rechnen, gegenüber durchschnittlich 0,20 % für einen traditionellen Indexfonds.

Dennoch kann die höhere Steuer­effizienz den zusätzlichen Aufwand rechtfertigen, selbst wenn die Verwaltungsgebühren berücksichtigt werden. Sie bietet zudem ein höheres Maß an Kontrolle und Transparenz. Beispielsweise sind jedes Unternehmen, das Gewicht jeder Aktie und jeder ausgeführte Handel direkt im Konto einsehbar, sodass der Beitrag jeder Position zur Gesamtrendite klar ersichtlich ist.

“Jahrelang haben Robo‑Advisor die Idee des ständigen Rebalancings als Goldstandard propagiert, doch dieser Einheitsansatz passt oft nicht zu den Bedürfnissen realer Anleger.

Mit unserer Portfolio‑Allokations‑Funktion brechen wir aus diesem fehlerhaften Modell aus.

Anleger können nun in ihrem eigenen Tempo rebalancieren, sodass ihre Portfolios ihre persönlichen Strategien widerspiegeln und dabei steuerlich effizientere Alternativen nutzen.

Mo Al Adham, CEO und Gründer von Frec
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Funktion Direct Indexing ETFs / Indexfonds
Eigentum Sie besitzen jede einzelne Bestandteil‑Aktie in einem SMA Sie besitzen Fondsanteile, nicht die zugrunde liegenden Aktien
Tax‑Loss‑Harvesting Aktien‑ebene, fortlaufende Möglichkeiten (steuerpflichtige Konten) Begrenzt (Fonds‑Ebene), oft weniger flexibel
Gebühren ~0,30 %–0,40 % Beratung, zuzüglich Handelsfriktionen Oft ~0,03 %–0,20 % für breite ETFs
Anpassung (ESG/Gewichtungen) Hoch — Namen ausschließen, Gewichtungen hinzufügen, Faktor‑Gewichte Niedrig — bei Bedarf einen anderen Fonds wählen
Tracking‑Error‑Risiko Höher bei starken Ausschlüssen/Gewichtungen Sehr niedrig für breite, liquide Indizes
Beste Passung Steuerpflichtige Konten, die nach‑Steuer‑Alpha & Kontrolle suchen Einrichten‑und‑vergessen, kostengünstige breite Exposition

Hinweis: Nach‑Steuer‑Ergebnisse variieren je nach Steuerklasse, Umschlag und Umsetzung.

4. Risiken & Nachteile von Direct Indexing

Im Allgemeinen sollten gebührenfreie Transaktionen die Transaktionskosten auch für kleinere Konten unbedeutend machen. In der Praxis kann das dennoch wichtig sein, da viele Plattformen, die keine sichtbaren Gebühren angeben, letztlich Geld über andere Methoden pro Transaktion einnehmen, etwa über einen höheren Spread.

Während automatisierte Lösungen den Prozess vereinfachen, ist dies grundsätzlich eine komplexere Option als der Besitz eines ETFs, insbesondere wenn ein Anleger versucht, das Potenzial des Tax‑Loss‑Harvestings zu maximieren.

Die Steuerberichterstattung wird typischerweise komplexer: anstatt eines einzigen 1099‑Formulars erhalten Anleger Seiten mit Transaktionsdetails, was die Steuerbewertung und -vorbereitung erschwert.

Ein weiteres potenzielles Problem ist der Tracking‑Error. Durch eine andere Rebalancing‑Strategie oder das Ersetzen einiger Index‑Aktien durch „ähnliche“ kann die Performance von Direct Indexing vom Benchmark‑Index abweichen, sowohl positiv als auch negativ.

Insgesamt kann diese Strategie nicht nur für vermögende Privatpersonen, sondern für viele andere Anlegertypen sinnvoll sein. Sie müssen jedoch die Details dieser Strategie verstehen und bereit sein, den damit verbundenen Aufwand zu tragen.

5. Wer bietet heute Direct Indexing an?

Wie bereits erwähnt, bieten heute viele verschiedene Investmentplattformen Direct Indexing an. Sie können jedoch hinsichtlich Anforderungen wie Mindestanlage, Gebühren usw. variieren.

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Plattform Mindestanlage Funktionen
Wealthfront $100,000 Anlagemix abgestimmt auf Risiko‑, Steuer‑Profil und Kontotyp; kann Anleihen enthalten.
Wealthsimple $1,000 100 % Einzelaktien, automatisiertes Tax‑Loss‑Harvesting, Ausschlüsse, ca. 0,15 % Servicegebühr.
Interactive Brokers N/A Kein festgelegtes Minimum; gestufte Gebühren nach Transaktionsgröße; DIY‑Custom‑Indexierung.
Fidelity $5,000–$100,000 Bruchteilsaktien; automatisiertes Management & Rebalancing ab 5 T$.
Schwab $100,000 ~0,40 % Gebühren (0,35 % ab 2 M$); Aktien‑/Industrie‑Ausschlüsse; sechs verfügbare Indizes; transparentes Dashboard.
Vanguard $250,000 Tax‑Loss‑Harvesting; ESG‑ & Faktor‑Gewichtungen; beinhaltet Ausschlüsse und detaillierte Reporting‑Tools.
Public $1,000 100+ Referenzindizes; Markt‑Kapitalisierungs- oder gleichgewichtete Optionen; automatische TLH‑Scans.

6. Direct Indexing vs ETFs: Wesentliche Unterschiede erklärt

Der Hauptunterschied zwischen Direct Indexing und ETFs / Investmentfonds besteht im direkten Eigentum an Aktien, anstatt über die Verwahrung und Verwaltung durch Fondsmanager zu laufen.

Dank Tax‑Loss‑Harvesting kann die Performance um 1–2 % höher sein, was die höheren Verwaltungsgebühren ausgleicht.

Die Diversifikation sollte durch möglichst genaue Replikation des Referenz‑Indexes gemanagt werden. Zu viele Änderungen oder Ausschlüsse könnten den Sinn des Indexinvestierens verringern – die breite Exposition gegenüber Dutzenden, Hunderten oder sogar Tausenden von Aktien.

Liquidität kann potenziell ein Problem darstellen, aber solange die Referenzindizes selbst liquide sind, sollte dies bei großen Indizes kein Problem sein.

Da der Hauptvorteil von Direct Indexing das Tax‑Loss‑Harvesting ist, macht es wenig Sinn, diese Strategie für nicht‑steuerpflichtige Konten wie IRAs oder 401(k)s zu nutzen.

7. Tax‑Loss‑Harvesting erklärt

Tax‑Loss‑Harvesting bedeutet, dass eine Aktie, die im Preis gefallen ist, verkauft wird, um den steuerlichen Nutzen aus dem Verlust zu beanspruchen und damit Kapitalgewinne in anderen Bereichen des Anlagekontos auszugleichen.

Beim Direct Indexing kann die mit Verlust verkaufte Aktie durch eine ähnliche Aktie ersetzt werden, die eine vergleichbare Performance und/oder Aktivität aufweist – zum Beispiel den Verkauf von Coca‑Cola und den Kauf von Pepsi, um die Branchenexposition beizubehalten und gleichzeitig den Verlust zu realisieren.

Dies hilft, das Risikoprofil beizubehalten, während der Steuerverlust realisiert wird.

Die Wash‑Sale‑Regel verhindert, dass Anleger innerhalb eines 61‑Tage‑Fensters nach einem Verlustverkauf dieselbe (oder „wesentlich identische“) Investition zurückkaufen und den steuerlichen Nutzen beanspruchen.
Außerdem hat der IRS erklärt, dass er der Ansicht ist, dass eine von einem Ehepartner mit Verlust verkaufte Aktie, die innerhalb des eingeschränkten Zeitraums vom anderen Ehepartner gekauft wird, ebenfalls eine Wash‑Sale‑Transaktion darstellt.

Verluste können zusätzlich zu Kapitalgewinnen bis zu 3.000 $ an regulärem Einkommen pro Steuerjahr ausgleichen. Übersteigen die Verluste beide Grenzen, können sie in zukünftige Jahre vorgetragen werden.

Im Laufe der Zeit, wenn die meisten Investitionen über ihren Kaufwert steigen, wird das Potenzial für Tax‑Loss‑Harvesting abnehmen – es sei denn, es wird kontinuierlich neues Geld in das Konto eingebracht.

8. Anpassung & wertorientiertes Investieren (ESG, Sektor‑Gewichtungen)

Die Möglichkeit, die einzelnen Aktien, aus denen das Konto und der Index bestehen, individuell zu handhaben, ist nützlich, um sie an persönliche Werte oder ESG‑Ziele anzupassen, wodurch es flexibler ist als das übliche Indexinvestieren.

Ein bestimmtes Unternehmen mit problematischen Praktiken kann ausgeschlossen werden, oder die Exponierung gegenüber bevorzugten Sektoren kann erhöht werden. Diese Anpassung muss jedoch sorgfältig ausbalanciert werden, um die Performance nicht zu beeinträchtigen.

Interessanterweise sind sogenannte „Sin‑Stocks“ — Unternehmen aus den Bereichen Waffen, Glücksspiel, Öl & Gas oder Tabak — historisch dafür bekannt, den Markt im Durchschnitt zu übertreffen.

9. Wer sollte (und wer nicht) Direct Indexing nutzen?

Historisch war Direct Indexing wohlhabenden Privatpersonen und Institutionen vorbehalten, da es komplex ist. Heute machen neuere Plattformen und Bruchteilsaktien es kleineren Konten zugänglich, obwohl die meisten immer noch mindestens 100.000 $ Mindestanlage verlangen.

Es eignet sich am besten für Anleger mit etwas Erfahrung. Es hilft kleineren Investoren, frühe Steuern auszugleichen, und größeren Investoren, unregelmäßige Gewinne zu managen – zum Beispiel beim Verkauf von Immobilien oder Unternehmensvermögen, ohne in eine höhere Steuerklasse zu rutschen.

Es kommt auch Anlegern mit konzentrierter Aktienexposition zugute, da sie die Aktie ihres Arbeitgebers aus der Indexreplikation ausschließen können.

Insgesamt sollten Direct Indexing und Tax‑Loss‑Harvesting Teil einer umfassenderen Anlage‑ und Steuerstrategie sein. Die Vorteile kumulieren sich über mehrere Jahre und nicht kurzfristig.

10. Zukunft von Direct Indexing

Weitere Fortschritte bei kostengünstigen Transaktionen, Automatisierung und Bruchteilsaktien sollten die Verbreitung von Direct Indexing vorantreiben.

Laut Cerulli and Associates nutzen nur 14 % der Finanzberater aktiv Direct Indexing, um ihren Kunden bei spezifischen Bedürfnissen zu helfen.
Cerulli glaubt zudem, dass das verwaltete Vermögen (AUM) von Direct Indexing jährlich um 12,4 % wachsen wird, schneller als bei Investmentfonds, ETFs oder privaten Einzelkonten.

Dennoch bleiben ETFs vorerst dominant wegen ihrer Einfachheit. Die Rentabilität und Beliebtheit von Direct Indexing werden Zeit benötigen, um sich vollständig zu beweisen, aber mit der Weiterentwicklung von Robo‑Advisoren und KI könnte die Methode bei Anlegern, die maßgeschneiderte Portfolios mit Steueroptimierung suchen, an Bedeutung gewinnen.

Wichtige Erkenntnisse

Direct Indexing ist vor allem dann sinnvoll, wenn Steueroptimierung die Performance eines Anlegers deutlich verbessern kann, vorausgesetzt, er versteht die Methode und die IRS‑Regeln. Anleger sollten ihre Erfahrung und den Nutzen der Anpassungsmöglichkeiten sorgfältig prüfen, bevor sie fortfahren.

Vorteile und Nachteile

  • Tax‑Loss‑Harvesting von Kapitalverlusten bei einzelnen Aktien, die einen Index bilden.
  • Feinabstimmung eines Portfolios auf persönliche ethische oder sektorale Präferenzen.
  • Verwaltungskosten und Komplexität nahe dem Niveau des Indexinvestierens halten im Vergleich zum Einzelaktien‑Kauf.
  • Höhere Verwaltungsgebühren.
  • Hohe Mindestanlage bei den meisten Plattformen.
  • Risiko, den Referenz‑Index bei übermäßigen Anpassungen zu unterschreiten.

Jonathan ist ein ehemaliger Biochemiker-Forscher, der in der genetischen Analyse und klinischen Studien tätig war. Er ist jetzt ein Börsenanalyst und Finanzautor mit Fokus auf Innovation, Marktzyklen und Geopolitik in seiner Publikation The Eurasian Century.