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Fünf Aktien rund um CO2-Abscheidung: der Überblick von 2023

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Emissionen senken und verbleibendes CO2 behandeln

Dieser Überblick stellt fünf Unternehmen aus der Sicht von 2023 vor. Zahlen und Prognosen sind historisch. Emissionen lassen sich beispielsweise durch Energieeffizienz, Solar- und Windstrom sowie Elektroautos senken.

Solange die weltweiten Emissionen hoch bleiben, steigt die CO2-Menge in der Atmosphäre weiter. Im politischen Szenario des hier verlinkten IEA-Berichts von 2021 stiegen die Emissionen nach 2020 zunächst wieder und flachten anschließend ab: Rückgänge in entwickelten Volkswirtschaften wurden durch Zuwächse andernorts ausgeglichen. Das war ein Szenario, keine unvermeidliche Entwicklung.

Quelle: IEA

Ein Teil des seit der Industrialisierung ausgestoßenen CO2 wirkt lange im Klimasystem nach. Weniger neue Emissionen entfernen frühere Emissionen nicht automatisch aus der Atmosphäre.

CO2-Abscheidung und dauerhafte Speicherung

CO2-Abscheidung kann Emissionssenkungen ergänzen. Direkte Entnahme aus der Luft kann CO2 entfernen, wenn es dauerhaft gespeichert wird und die Lebenszyklusemissionen unter der entfernten Menge liegen. Abscheidung an einer fossilen Punktquelle verhindert vor allem neue Emissionen. Keine dieser Methoden macht sämtliche Folgen vergangener, gegenwärtiger und zukünftiger Verbrennung automatisch rückgängig.

Abscheidung und Aufbereitung benötigen Energie. Der Klimanutzen hängt unter anderem von Energiequelle, Abscheiderate, Transport und endgültiger Verwendung des CO2 ab.

Hier geht es um zwei Verfahren, nicht zwei Arten von Kohlenstoff: die Abscheidung aus konzentrierten Gasströmen, etwa Kraftwerksabgasen, und die direkte Entnahme aus der Umgebungsluft.

Abgeschiedenes CO2 kann als Rohstoff genutzt oder dauerhaft gespeichert werden. Daraus hergestellte Kraftstoffe setzen bei der Verbrennung normalerweise wieder CO2 frei und sind nicht automatisch klimaneutral. Dafür muss die gesamte Produktionskette betrachtet werden. Weitere Informationen bietet dieser Artikel von Energy Tracker zu verschiedenen Abscheidetechnologien.

Fünf Unternehmen rund um CO2-Abscheidung: Aktien

Auch große Öl- und Gaskonzerne entwickeln Abscheidetechnik und nutzen dabei ihre Erfahrung mit der Gasaufbereitung. Dieser Überblick von 2023 behandelt fünf andere Unternehmen in den Bereichen Abscheidung, Energie und Kohlenstoffnutzung. Das bedeutet nicht, dass ihre gesamte Tätigkeit Emissionen senkt oder emissionsfrei ist.

1. Bloom Energy Corporation

BE Preisdiagramm

Die Festoxid-Brennstoffzellen von Bloom Energy (BE ) wandeln Brennstoff elektrochemisch in Strom um. Sie sind von Elektrolyseuren zu unterscheiden, die Strom zur Wasserstofferzeugung benötigen. Erdgas verursacht auch ohne Verbrennung weiterhin CO2. KR Sridhar und sein Team gründeten Bloom 2001 auf Grundlage von NASA-Forschung; Jim McElroy war nicht der Gründer.

Die Brennstoffzellentechnik lässt sich auch mit CO2-Abscheidung kombinieren, da sie einen stark konzentrierten CO2-Strom erzeugt, der abgetrennt und gespeichert werden kann. Zu den Kunden verschiedener Branchen gehörten Walmart (WMT ) , The Home Depot, Yahoo, Honda, FedEx und weitere Unternehmen (FDX ) (HD ).

Quelle: Bloom Energy

2023 arbeitete Bloom an größeren Anwendungen für Elektrolyse und Abscheidung. Der ursprüngliche Überblick nannte Projekte mit 10 MW und geplanter Fertigstellung im ersten Quartal 2024. Das war ein Zeitplan, keine Bestätigung einer tatsächlichen Lieferung. Im Mai 2023 meldete Bloom hingegen eine betriebsbereite Elektrolysedemonstration mit 4 MW bei NASA Ames.

Bloom stellte 2023 ein Ziel von 30–35 Prozent jährlichem Umsatzwachstum bis 2031 vor. Das war eine Prognose. Die Präsentation nannte Produktkosten von 3.865 Dollar für 2017 und 2.653 Dollar für 2022, keine Verkaufspreise kompletter Anlagen. Geringere Kosten können die Margen verbessern, garantieren aber keine Gewinne.

CO2-Bepreisung kann emissionsarme Systeme wirtschaftlich begünstigen. Blooms Strom ist jedoch nicht grundsätzlich klimaneutral: Brennstoff, Emissionen der Lieferkette und mögliche Abscheidung sind entscheidend.

Bloom verbindet Brennstoffzellen mit Entwicklungen bei Elektrolyse und Abscheidung. Daraus können Chancen durch wachsenden Wasserstoff- und Strombedarf in Industrie, Verkehr und digitalen Anwendungen entstehen. Das Ergebnis hängt von Kosten, Wettbewerb, Umsetzung und Politik ab.

2. LanzaTech Global, Inc.

LNZA Preisdiagramm

LanzaTech entwickelt Gasfermentation, um kohlenstoffhaltige Gase in nutzbare Verbindungen umzuwandeln. Die Rohstoffe können aus industriellen Restgasen und vergasten Abfällen stammen; weitere Zuführungswege waren in Entwicklung.

Kohlenstoffnutzung kann fossile Rohstoffe ersetzen und Nachfrage nach abgeschiedenem Kohlenstoff schaffen. Eine vollständig geschlossene Kreislaufwirtschaft entsteht aber nicht automatisch. Die Klimabilanz hängt von Energie und Produktverwendung ab. Manche Rohstoffe passen in bestehende Produktionsketten, doch nicht jede Fabrik kann ohne technische Anpassungen umgestellt werden.

Quelle: LanzaTech

Kommerzielle Partneranlagen nutzen die Technologie seit 2018 zur Ethanolherstellung. Durch Weiterverarbeitung können unter anderem Flugkraftstoff, PET, Polyethylen und Glykol entstehen. Nicht jede Fermentationsanlage stellt all diese Produkte direkt her. LanzaTech nannte ungefähr zwei Tonnen CO2 pro Tonne CarbonSmart-Produkt. Diese Unternehmenskennzahl bedeutet nicht, dass zwei Tonnen CO2 dauerhaft aus der Atmosphäre entfernt werden.

Bei dem Verfahren wandeln Bakterien Gase in nützliche Verbindungen um. LanzaTech entwickelt außerdem In-vitro -Prototypisierung und eine anaerobe Entwicklungsplattform zur Konstruktion und Prüfung von Mikrobenstämmen und biochemischen Stoffwechselwegen.

Neue Bakterienstämme können das Produktangebot erweitern. Die Umstellung einer vorhandenen Fabrik hängt von technischer Validierung, Prozessanpassungen und Wirtschaftlichkeit ab.

Quelle: LanzaTech

Das Geschäftsmodell kombiniert einmalige Erlöse aus Planung, Geräten und Inbetriebnahme mit wiederkehrenden Lizenzgebühren sowie dem Verkauf von Mikroben, Nährmedien und Software. Industriepartner können die großen Fabrikinvestitionen finanzieren. LanzaTech erwartete einen wachsenden Anteil wiederkehrender Einnahmen; das garantierte weder stabile Zahlungsströme noch Gewinne.

Quelle: LanzaTech

Der ursprüngliche Überblick nannte beispielhaft eine jährliche Brutto-Cash-Marge von 25 Millionen Dollar bei Investitionskosten von 125 Millionen Dollar je Anlage. Das ist kein belegter Durchschnitt der Rentabilität aller Fabriken: Region, Rohstoff, Größe und Produkt beeinflussen die Wirtschaftlichkeit. Laut damaligen Unternehmensangaben baute der erste Kunde seine 4. Anlage.

Im ersten Quartal 2023 meldete LanzaTech 9,6 Millionen Dollar Umsatz, ein Plus von 23 Prozent, und 63,3 Millionen Dollar Nettoverlust. Darin waren erhebliche nicht zahlungswirksame Effekte von Finanzinstrumenten enthalten. Der Überblick nannte fünf Anlagen, vier im Bau und mehr als 90 Projekte in Entwicklung. Es ging um Partneranlagen und eine Projektpipeline, nicht zwangsläufig um fünf Fabriken im eigenen Besitz und Betrieb. Der vorgesehene Start von drei Projekten 2023 war eine Planung.

LanzaTech hatte kommerzielle Anwendungen gezeigt und arbeitete an einer breiteren Einführung. Wachstum hing von Finanzierung, Fertigstellung der Partnerprojekte, Nachfrage und technischer Umsetzung ab. Eine große Pipeline garantiert keine Erlöse oder Gewinne.

3. FuelCell Energy, Inc.

FCEL Preisdiagramm

FuelCell Energy (FCEL ) entwickelt Schmelzkarbonat-Brennstoffzellen und Festoxidsysteme. Die Karbonattechnik kann CO2 aus einem externen Abgasstrom konzentrieren und zugleich Strom erzeugen. Festoxid-Brennstoffzellen wandeln Brennstoff ohne Verbrennung um, doch kohlenstoffhaltige Brennstoffe verursachen weiterhin CO2. Eine passende Auslegung kann dessen Abtrennung erleichtern.

Quelle: FuelCell

Laut Präsentation vom Juni 2023 hatte die Technologie mehr als 13 Millionen MWh Strom für Kunden wie Pfizer (PFE ) und Energieversorger erzeugt. Vergleiche mit Windkraft oder Dachsolaranlagen hängen von Leistung, Laufzeit, Brennstoff und ersetztem Strommix ab. Sie belegen nicht, dass Brennstoffzellen pro erzeugter kWh grundsätzlich weniger emittieren als Wind- oder Solarstrom.

Quelle: FuelCell

Der Überblick nannte rund 20 Prozent zusätzliche elektrische Leistung für eine Abscheidekonfiguration, die selbst Strom erzeugt. Das gilt nicht automatisch für jedes Kraftwerk. Das Ergebnis hängt von Auslegung, Brennstoff, Abgasen und Energie für CO2-Aufbereitung und Speicherung ab. Die Abscheidetechnik befand sich in der Präsentation von 2023 noch in Entwicklung.

Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2023, das am 30. April endete, meldete FuelCell Energy 38,3 Millionen Dollar Umsatz, ein Plus von 134 Prozent, und 33,9 Millionen Dollar Nettoverlust. Es war nicht das erste Quartal. Die Summe von 353,5 Millionen Dollar umfasste Zahlungsmittel, verfügungsbeschränkte Mittel und kurzfristige Anlagen, nicht nur frei verfügbares Bargeld. Das bot Spielraum, schloss weiteren Finanzierungsbedarf aber nicht aus.

Die geringere Größe und anhaltenden Verluste machten das Unternehmen 2023 risikoreich. Erfolgreiche Vermarktung konnte Chancen eröffnen, garantierte jedoch keine Rentabilität oder höheren Aktienrenditen.

4. Aker Carbon Capture ASA

Aker Carbon Capture konzentrierte sich 2023 auf Abscheidung in Bereichen wie Zement, Gaskraft, blauem Wasserstoff und Energie aus Bioabfällen. Diese Beschreibung ist historisch: SLB übernahm 2024 80 Prozent des operativen Geschäfts. ACC verkaufte 2025 seinen restlichen Anteil und beschloss die Liquidation; der Aktienhandel wurde ab dem 13. Oktober 2025 ausgesetzt.

Das damalige Projektportfolio zur CO2-Abscheidungdarf nicht als fünf bereits laufende Anlagen mit zusammen 4,1 Millionen Tonnen Jahreskapazität verstanden werden. Der ursprüngliche Überblick vermischte Projekte, Planungsstudien und fertiggestellte Kapazitäten. Auch die Erwähnung des Kopenhagener Kraftwerks mit Skipiste belegt keine dort bereits von Aker errichtete große Abscheideanlage.

Zu den 2023 beschriebenen Projekten und Zielen gehörten:

  • Twence in den Niederlanden: Auslegung für 100.000 Tonnen CO2 jährlich, damals mit geplanter Fertigstellung Ende 2023.
  • Heidelberg Materials in Brevik, Norwegen: Auslegung für 400.000 Tonnen CO2 jährlich, damals mit geplanter Fertigstellung 2024.
  • Britische Strom- und Abfallenergieprojekte: Planungen und Studien für große Abscheideanlagen. Kapazitätsangaben waren mögliche Auslegungsvolumina, keine schon erreichte jährliche Abscheidung.

Im ersten Quartal 2023 stieg der Umsatz um 99 Prozent auf 287 Millionen norwegische Kronen. Das EBITDA lag bei −51 Millionen Kronen, gegenüber −61 Millionen im Vorjahr. Projekte und Studien lieferten positive Beiträge; Kosten für Vertrieb, Ausschreibungen sowie Forschung und Entwicklung hielten das Gesamtergebnis negativ. Nicht hohe Verkaufserlöse an sich verursachten den Verlust.

Akers Lösungsmitteltechnologie war für verschiedene industrielle Abgasströme vorgesehen. Sie funktioniert nicht bedingungslos in jeder Anlage und ist nicht mit direkter Luftabscheidung gleichzusetzen. Brevik war ein großtechnisches Zementprojekt, nicht der weltweit erste Versuch zur CO2-Abscheidung in einem Zementwerk.

Abscheidung kann schwer vermeidbare Industrieemissionen begrenzen. Sie ergänzt Effizienz, Elektrifizierung, saubere Energie und geringeren fossilen Verbrauch; sie ist nicht die einzige Möglichkeit zur Senkung globaler Emissionen.

5. Delta CleanTech Inc.

Delta CleanTech wurde 2023 als kleines kanadisches Unternehmen für CO2-Abscheidung, blauen Wasserstoff, CO2-Zertifikate sowie Lösungsmittel- und Glykolreinigung beschrieben. Der Überblick ordnete den Umsatz von 2022 dem Abscheidegeschäft zu; diese Angabe ist historisch.

Kanadas CO2-Preis lag bis Ende März 2023 bei 50 kanadischen Dollar pro Tonne und ab April bei 65 Dollar. Der damalige Plan sah 170 Dollar für 2030 vor. Die bundesstaatliche Brennstoffabgabe endete jedoch am 1. April 2025. Die separate Steuergutschrift für CCUS-Investitionen hatte Bedingungen und unterschiedliche Sätze, darunter 50 Prozent für bestimmte Abscheidegeräte und 60 Prozent für direkte Luftabscheidung. Nicht jedes Projekt erhielt automatisch 50 Prozent Förderung.

Der ursprüngliche Überblick schätzte den Börsenwert auf weniger als zwei Millionen Dollar und nannte fünf Projekte: zwei in Kanada sowie je eines in den USA, China und Kasachstan. Das waren damalige Angaben und Pläne, keine aktuelle Bewertung oder Bestätigung der Umsetzung aller Projekte.

Laut Überblick betrug der Nettoverlust 2022 2,8 Millionen kanadische Dollar bei 1,4 Millionen Dollar Umsatz. Das Umlaufvermögen lag bei 2,3 Millionen und die Verbindlichkeiten bei 0,5 Millionen Dollar. Höhere Vermögenswerte als Verbindlichkeiten belegen bei einem verlustreichen Unternehmen nicht, dass keine unmittelbaren Liquiditäts- oder Fortführungsrisiken bestehen.

Ein wachsender Abscheidemarkt konnte Chancen bieten, doch eine Kurserholung war unsicher. Der erwähnte Rückgang um mehr als 90 Prozent seit Ende 2021 war historisch. Geringe Größe, Finanzierung und Projektumsetzung bedeuteten erhebliche Risiken.

Jonathan ist ein ehemaliger Biochemie‑Forscher, der in der genetischen Analyse und in klinischen Studien gearbeitet hat. Er ist jetzt Aktienanalyst und Finanzautor mit einem Fokus auf Innovation, Marktzyklen und Geopolitik in seiner Veröffentlichung 'The Eurasian Century'.