Digitale Vermögenswerte
Terra plant eine Bitcoin-Reserve von 10 Milliarden Dollar: Was bedeutet das?

Als dieser Artikel im März 2022 entstand, lag der Bitcoin-Kurs nach einem nächtlichen Hoch von 47.290 US-Dollar knapp über 47.000 US-Dollar. Die Rückkehr auf zuletzt im Januar erreichte Niveaus fiel mit der Nachricht über Terras langfristigen Plan einer Bitcoin-Reserve im Wert von 10 Milliarden US-Dollar zusammen.
In der Vorwoche hatte Terraform-Labs-Chef Do Kwon zunächst eine Bitcoin-Reserve von 3 Milliarden US-Dollar zur Unterstützung von UST angekündigt. Mehrere Altcoins stiegen ebenfalls; daraus folgt jedoch nicht, dass eine einzelne Nachricht den gesamten Kursanstieg verursachte.
Dieser Beitrag behandelt die damaligen Pläne und ihre mögliche Bedeutung für Bitcoin und die Kryptobranche.
Luna Foundation Guard strebt zunächst eine Bitcoin-Reserve von 3 Milliarden US-Dollar an
Die im Januar 2022 zur Unterstützung des Terra-Ökosystems gegründete Luna Foundation Guard (LFG) arbeitete an Finanzierung und Käufen für eine UST-Reserve. Eingeworbenes Kapital, geplante Käufe und bereits auf einer Adresse liegende Bitcoin sind unterschiedliche Größen.
Eine Berichten zufolge mit LFG verbundene Adresse verzeichnete insbesondere in den vorangegangenen sieben Tagen steigende Bitcoin-Bestände. BitInfoChartszeigte laut der damaligen Zusammenfassung, dass diese Adresse rund 27.785 BTC erhalten hatte. Ihr angegebener Marktwert betrug etwa 1,305 Milliarden US-Dollar. Die geschätzte Wertsteigerung von 168,24 Millionen US-Dollar beruhte auf Preisänderungen; sie war kein bestätigter realisierter Handelsgewinn und keine vollständige Ermittlung der Anschaffungskosten.
Dies entsprach den Plänen, die Terra-Gründer Do Kwon in mehreren Tweets darlegte: zunächst eine Bitcoin-Reserve von 3 Milliarden US-Dollar und langfristig 10 Milliarden. Diese Ziele bedeuteten weder, dass die gesamten Beträge bereits investiert waren, noch dass sämtliche UST vollständig durch Bitcoin gedeckt waren.
Laut Kwon hatte die Stiftung für das erste Ziel bereits 1 Milliarde US-Dollar durch einen privaten Token-Verkauf unter Führung von Jump Crypto und Three Arrows Capital eingeworben. Weitere 1,2 Milliarden US-Dollar seien durch den Verkauf von UST gegen Tethers USDT hinzugekommen. Damit standen 2,2 Milliarden an Finanzierung zur Verfügung; bis zum Ziel von 3 Milliarden fehlten 0,8 Milliarden. Finanzierung ist nicht mit abgeschlossenen Bitcoin-Käufen gleichzusetzen.
Zum langfristigen Ziel von 10 Milliarden US-Dollar erklärte der Terraform-Labs-Chef, bei wachsender UST-Menge solle ein Teil der Seigniorage, also des wirtschaftlichen Vorteils aus der UST-Ausgabe, dem Aufbau von Bitcoin-Reserven dienen.
Wozu die Bitcoin-Reserve dienen sollte
Die Reserve sollte die Bindung von einem US-Dollar je UST vor allem in angespannten Marktphasen zusätzlich stützen. Sie garantierte den Erhalt dieser Bindung nicht. Algorithmische Stablecoins wurden häufig kritisiert, weil ihnen eine vollständige externe Besicherung fehlte.
Befürworter sahen im Umtausch von UST gegen Bitcoin aus der Reserve eine Möglichkeit, Vertrauen zu schaffen. Bitcoin bleibt jedoch volatil. Eine geringe Korrelation zu anderen Kryptopreisen oder jederzeit funktionierende Einlösungen sind nicht selbstverständlich.
Jump Crypto hatte außerdem einen Vorschlag für einen Bitcoin-Reservepool veröffentlicht. Darin wurden Mechanismen beschrieben, die die Dollarbindung von UST unterstützen sollten.
Der Vorschlag sollte Bitcoin-Liquidität bereitstellen, wenn UST unter seinen Zielwert fiel, und Marktteilnehmern ermöglichen, die Reserve nach einer Krise wieder aufzufüllen. Er ähnelte dem Tauschmechanismus zwischen LUNA und UST, sollte aber einen bestehenden Vermögenswert in Form von verpackten BTC halten, statt LUNA auszugeben und zu vernichten. Das erforderte einen anderen technischen Aufbau mit getrennten Parametern für Zu- und Abflüsse anstelle einer Verrechnung beider Ströme. Es blieb ein Vorschlag mit Annahmen über Marktverhalten und Umsetzung.
Eine Parallele zu Hal Finneys Überlegungen
Der Artikel verglich Terras geplante Reserve mit einer früheren Idee des verstorbenen Informatikers Hal Finney. Die Gemeinsamkeit betraf Bitcoin als Reservevermögen, nicht identische Systeme.
Im Dezember 2010, fast zwei Jahre nach dem Start von Bitcoin im Januar 2009, schrieb Finney im BitcoinTalk-Forum über die Möglichkeit, Bitcoin könnte Reservegeld für Banken werden, die eigenes digitales Geld ausgeben.
„[Bitcoins Schicksal ist] es, die Geldbasis zu werden, die als Reservewährung für Banken dient, die ihr eigenes digitales Geld ausgeben“, heißt es in einem Auszug aus dem Beitrag.

Finneys Idee bezog sich auf Banken mit eigenen digitalen Zahlungsmitteln. Terraform Labs war keine solche Bank. Der Reserveplan konnte als Parallele zu dieser Idee gelten, bewies aber nicht, dass seine Vorhersage eingetroffen war.
CoinDesk -Analyst George Kaloudis untersuchte in seinem Beitrag die mögliche Wirkung einer Bitcoin-Reserve von 10 Milliarden US-Dollar und bezeichnete die Idee als attraktiv für Kryptoenthusiasten.
„UST könnte zu einem Dollar-Stablecoin werden, der durch einen vollständig überprüfbaren, transparenten und dezentralen digitalen Vermögenswert gedeckt ist“, schrieb er. „Sie müssen Do Kwon nicht vertrauen, um zu wissen, dass die Sicherheiten vorhanden sind […]. Sie können es selbst auf der Blockchain sehen.“ Das war seine Einschätzung zur Sichtbarkeit der Reservebestände. Ein öffentlich einsehbarer Adresssaldo allein belegt weder eine dauerhafte Dollarbindung noch rechtliche Einlösungsansprüche oder die Deckung sämtlicher Verpflichtungen.
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