Biotechnologie

Könnte ein neues Medikament helfen, das Sehvermögen wiederherzustellen? Frühe Erkenntnisse zur Myelinreparatur

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Eine experimentelle Studie untersucht, ob sich die Reparatur von Myelin fördern lässt. Myelin umhüllt bestimmte Nervenfasern und unterstützt die Weiterleitung von Signalen. Die Forschenden prüften den Wirkstoff LL-341070 an Mäusen und maßen nach einer künstlich ausgelösten Schädigung die Funktion des visuellen Kortex. Es handelt sich um präklinische Forschung: Eine Wiederherstellung des Sehvermögens oder der geistigen Leistungsfähigkeit beim Menschen wurde damit nicht nachgewiesen.

Was ist Myelin?

Myelin bildet eine Hülle um viele Axone, also Fortsätze von Nervenzellen, über die Signale weitergeleitet werden. Im zentralen Nervensystem wird es von spezialisierten Zellen, den Oligodendrozyten, gebildet.

Die Rolle der Oligodendrozyten

Oligodendrozyten legen ihre Zellmembran in Schichten um Axone. Gehen diese Zellen verloren oder funktionieren sie nicht richtig, kann die Reparatur der Myelinscheide beeinträchtigt sein. Wie gut Ersatz entsteht, hängt von der Art und dem Ausmaß der Schädigung ab.

Demyelinisierung

Demyelinisierung bedeutet, dass vorhandenes Myelin verloren geht oder beschädigt wird. Dadurch können Nervensignale gestört werden. Sie spielt beispielsweise bei Multipler Sklerose eine Rolle. Die vorliegende Studie untersucht jedoch ein bestimmtes Mausmodell; ihre Ergebnisse lassen sich nicht ohne Weiteres auf andere Krankheiten übertragen.

Remyelinisierung

Bei der Remyelinisierung bildet der Körper nach einer Schädigung neue Myelinscheiden. Daran sind neu entstandene Oligodendrozyten beteiligt. Die Reparatur kann unvollständig bleiben. Deshalb erforscht man, ob eine Behandlung die Neubildung dieser Zellen unterstützen und die Funktion von Nervenbahnen verbessern kann.

Warum auch eine teilweise Reparatur wichtig sein kann

Eine zentrale Frage ist, ob ein neuronaler Schaltkreis wieder besser arbeiten kann, bevor das gesamte verlorene Myelin ersetzt ist. Ein solcher Befund im Tiermodell könnte weitere Forschung anregen, wäre aber noch kein Nachweis für eine wirksame Behandlung beim Menschen.

Die Studie zur Myelinreparatur

Die im Januar 2025 in Nature Communications veröffentlichte Arbeit „Incomplete remyelination via therapeutically enhanced oligodendrogenesis is sufficient to restore visual cortical function“1 untersucht die Remyelinisierung im visuellen Kortex von Mäusen. Dabei prüfte das Forschungsteam den Wirkstoff LL-341070, ein Thyromimetikum, das nach seiner Umwandlung im Körper auf die Signalübertragung über Schilddrüsenhormonrezeptoren wirkt.

Versuchsaufbau

Die Mäuse erhielten zeitweise Futter mit Cuprizon. In diesem Forschungsmodell führt der Stoff zum Verlust von Myelin und Oligodendrozyten. Anschließend beobachteten die Forschenden die Erholung und verglichen behandelte Tiere mit einer Kontrollgruppe. Das Modell eignet sich zur Untersuchung bestimmter Mechanismen, bildet menschliche Erkrankungen aber nicht vollständig ab.

Behandlung mit LL-341070

Während eines Teils der Beobachtungszeit erhielten die Tiere täglich unterschiedliche Dosen von LL-341070. Mit bildgebenden Verfahren und elektrophysiologischen Messungen untersuchte das Team neue Oligodendrozyten, die Myelinbildung und die Aktivität des visuellen Kortex. Die im Tierversuch verwendeten Dosen sind keine Dosierungsempfehlung für Patientinnen und Patienten.

Abbildung zur Studie über Remyelinisierung

Quelle: Nature Communications

Ergebnisse

Im untersuchten Modell begünstigte die niedrigere Dosis die Bildung neuer Oligodendrozyten und die Myelinreparatur gegenüber der Kontrollbehandlung. Außerdem verbesserten sich Messwerte der Funktion des visuellen Kortex, obwohl die Remyelinisierung noch unvollständig war. Eine höhere Dosis führte bei der frühen Erholung der Oligodendrozyten nicht zum gleichen Ergebnis; die Wirkung nahm also nicht einfach mit der Dosis zu.

Gemessen wurden Vorgänge bei Mäusen und die Aktivität ihres visuellen Kortex. Die Studie zeigt weder, dass ein blinder Mensch wieder sehen kann, noch dass LL-341070 bereits Multiple Sklerose, Schlaganfall oder Alzheimer behandelt.

Bedeutung der Ergebnisse

Die Arbeit verknüpft die Bildung myelinisierender Zellen, die Reparatur von Nervenfasern und die Funktion eines Gehirnschaltkreises. Sie deutet darauf hin, dass in diesem Modell schon eine teilweise Reparatur mit einer funktionellen Verbesserung einhergehen kann. Weitere Studien müssen Mechanismus, Sicherheit und Bedeutung für Erkrankungen des Menschen klären.

Mögliche künftige Therapien

Vor einer klinischen Anwendung wären unter anderem Untersuchungen in weiteren Modellen, Sicherheitsbewertungen und Studien am Menschen nötig. Die Ergebnisse beschreiben einen Forschungsansatz, keine verfügbare Therapie.

Forschungsteam

An der Studie waren unter anderem Forschende des Anschutz Medical Campus der University of Colorado beteiligt, darunter Ethan Hughes und Daniel Denman. Die vollständige Quellenangabe steht am Ende des Artikels.

Biotechnologieunternehmen und Myelinforschung

Mehrere Unternehmen forschen an neurologischen Erkrankungen. Eine Tätigkeit in einem verwandten Gebiet bedeutet jedoch nicht, dass ein Unternehmen an dieser Studie beteiligt war oder LL-341070 entwickelt. Präklinische Ergebnisse lassen keine Prognose zum Erfolg einer Behandlung oder zum Aktienkurs zu.

Clene Inc.

Clene entwickelt experimentelle Wirkstoffkandidaten für neurologische Erkrankungen. Das Unternehmen war an der hier besprochenen Studie nicht beteiligt. Seine Programme sollten anhand ihrer eigenen klinischen und wirtschaftlichen Ergebnisse bewertet werden. (CLNN )

CLNN Preisdiagramm

Was die Studie über Myelinreparatur zeigt

In diesem Mausmodell ging eine Förderung der Oligodendrozytenbildung mit der Erholung bestimmter Messwerte der visuellen Hirnfunktion einher, obwohl die Myelinreparatur unvollständig blieb. Ob sich daraus eine sichere und wirksame Behandlung für Menschen entwickeln lässt, ist offen.

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Zitierte Studie

1. Della-Flora Nunes, G., Osso, L. A., Haynes, J. A. et al. „Incomplete remyelination via therapeutically enhanced oligodendrogenesis is sufficient to restore visual cortical function“, Nature Communications 16, 732 (2025). https://doi.org/10.1038/s41467-025-56092-6.

David Hamilton ist ein Vollzeitjournalist und ein langjähriger Bitcoinist. Er spezialisiert sich auf das Schreiben von Artikeln über die Blockchain. Seine Artikel wurden in mehreren Bitcoin-Publikationen veröffentlicht, einschließlich Bitcoinlightning.com