Digitale Vermögenswerte
Lens Protocol: das soziale NFT-Protokoll der Aave-Entwickler vom Februar 2022

Im Februar 2022 haben Entwickler des DeFi-Liquiditätsprotokolls Aave die Einführung von Lens Protocol angekündigt, einem Protokoll für den Aufbau alternativer sozialer Medien und die Dezentralisierung des Bereichs. Das Projekt war damals im Mumbai-Testnetz von Polygon verfügbar; ein Termin für den Start im Hauptnetz war noch nicht bestätigt.
Die Entscheidung, Polygon zu verwenden, hing mit Energieverbrauch und Sicherheit zusammen. Die damalige Startseite erklärte: „Polygons umweltfreundliche Blockchain ermöglicht es jeder Veröffentlichung im Lens Protocol, einen geringen CO₂‑Fußabdruck zu haben, während sie auf einer kostengünstigen, sicheren Blockchain läuft.“
Lens zeichnete sich durch die Nutzung von NFTs für Profile und soziale Verbindungen aus. Die Einträge auf der Blockchain verwiesen über URIs auf Inhalte; nicht alle Nutzerdateien wurden in den NFTs selbst gespeichert. Anwendungen konnten dennoch eine vertraute Bedienung wie bei herkömmlichen sozialen Medien bieten.
Mehr Kontrolle für die Nutzer
Das Projekt sollte die Kontrolle über Profile und Inhalte den Nutzern statt einem einzelnen Unternehmen überlassen und zugleich vertraute Funktionen wie Profile, Kommentare und das Teilen von Beiträgen, genannt Mirror, erhalten.
Namensgeber war die Linse, Lens culinaris, die mit stickstoffbindenden Bakterien in Symbiose lebt. Das Projekt beschrieb sich als „genehmigungsloser, zusammensetzbarer und dezentraler sozialer Graph“, dessen Grundbausteine für Profile und Interaktionen durch NFTs dargestellt wurden. Ziel war, dass die Nutzer ihren sozialen Graphen selbst besitzen und von ihrer Beteiligung profitieren konnten.
Profil-NFTs waren die zentralen Bausteine des Protokolls. Sie verknüpften Profile mit ihrer Historie von Beiträgen, Mirrors und Kommentaren. In der damals vorgestellten Architektur konnte eine Adresse mehrere Profil-NFTs ohne vorab festgelegte Obergrenze halten.
Auch eine DAO konnte ein Profil-NFT über eine Multisig-Wallet besitzen.
Folgen, Sammeln und mögliche Vergütungen
Wer einem Profil folgte, konnte nach den Regeln des gewählten Moduls ein Follow NFT erhalten. Jedes Token hatte eine eindeutige Kennung und konnte übertragen oder gehandelt werden; das garantierte weder Seltenheit noch Wert oder eine Vergütung. Follow NFTs integrierten außerdem Abstimmungs- und Delegationsfunktionen, mit denen sich eine DAO um ein Profil organisieren ließ.

Ein Mirror entsprach dem Teilen eines Beitrags. Wurde der ursprüngliche Beitrag über eine solche Weiterverbreitung gesammelt, konnte das Protokoll das teilende Profil als Vermittler erkennen. Eine mögliche Vergütung hing von den Regeln des gebührenpflichtigen Collect-Moduls ab und entstand nicht automatisch bei jeder Weiterverbreitung.
Lens konnte das InterPlanetary File System (IPFS) für Mediendateien verwenden. Verweise in den Beiträgen konnten Bilder, Musik und andere Werke einbinden, während die Dateien getrennt von den Einträgen auf der Blockchain gespeichert wurden.
Mit der Collect-Funktion ließ sich nach den Bedingungen des jeweiligen Moduls ein NFT zu einem Beitrag prägen. Nutzer konnten damit Sammlungen bevorzugter Veröffentlichungen anlegen; die Funktion beschränkte sich nicht auf das Sortieren von Beiträgen.
Das Protokoll richtete sich auch an Entwickler. Aave-Gründer Stani Kulechov beschrieb es als ein „offenes, zusammensetzbares [Web 3]‑Social‑Media‑Protokoll, das es jedem ermöglicht, ein nicht‑verwahrtes Social‑Media‑Profil zu erstellen und neue Social‑Media‑Anwendungen zu bauen.“
Die Verbindung zur DeFi-Plattform Aave, die auch für Flashkredite bekannt ist, zeigte sich in der Vorstellung des Projekts: „Die Aave-Community hat Lens Protocol gestartet.“ Lens wurde auf Polygon vorgestellt. Aave war auf Ethereum entstanden, hatte sein Protokoll aber schon 2021 auch auf Polygon und Avalanche eingeführt.












