Additive Fertigung
3D-Druck von Industriekarbid: Härter, Schneller, Umweltfreundlicher

Die Werkzeuge, die unsere Welt bauen, sind oft unsichtbar, doch sie bilden das stille Rückgrat der modernen Zivilisation. Von den hochpräzisen Bohrern, die die Infrastruktur unserer Städte ausstechen, bis zu den Schneiden, die die Bauteile unserer Fahrzeuge formen, liegt das Geheimnis ihrer Langlebigkeit in einem Material namens Tungsten-Carbide-Kobalt. Dieses gesinterte Karbid ist einer der härtesten Stoffe, die dem Menschen bekannt sind, und liegt direkt unter dem Diamanten in der Härteskala. Doch genau die Stärke, die es unverzichtbar macht, führt auch dazu, dass es notorisch schwer und verschwenderisch herzustellen ist.
Eine Studie1 der Hiroshima University in Zusammenarbeit mit der Mitsubishi Materials Hardmetal Corporation hat kürzlich einen neuen Weg aufgezeigt. Durch die Kombination von additiver Fertigung – gemeinhin als 3D-Druck bezeichnet – mit einer spezialisierten Hot‑Wire‑Laser‑Methode haben die Forscher einen Weg gefunden, industrietaugliche Bauteile zu erzeugen, die genauso hart sind wie solche, die mit herkömmlichen Verfahren hergestellt werden, jedoch mit deutlich weniger Abfall. Diese Entwicklung ist nicht nur ein Gewinn für die Fabrikhalle; sie bietet einen Blick in eine Zukunft, in der Hochleistungs‑Materialien zugänglich, nachhaltig und anpassbar sind.
Warum Tungsten‑Carbide schwer zu 3D‑drucken ist
Traditionell ist die Herstellung von Teilen aus Tungsten‑Carbide‑Kobalt ein mühsamer und kostspieliger Prozess. Er beruht auf Pulvermetallurgie, bei der Metallpulver unter enormem Druck zusammengepresst und dann in einem Ofen erhitzt werden, bis sie sich verbinden – ein Vorgang, der Sintern genannt wird. Während dies unglaublich harte Werkzeuge erzeugt, ist es ein starrer Prozess. Das Erzeugen komplexer oder großer Formen ist schwierig, und ein großer Teil des teuren Rohmaterials – Wolfram und Kobalt – geht dabei verloren.
Die hohen Kosten dieser Rohstoffe stellen ein großes Hindernis dar. Wolfram ist selten und teuer, und Kobalt ist ein kritisches Mineral mit einer volatilen Lieferkette. In einer Zeit, in der Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz oberste Priorität haben, werden die alten Methoden der subtraktiven Fertigung – bei der man mit einem Block Material beginnt und das Unnötige wegschnitzt – zunehmend als veraltet angesehen.
Wie die Hot‑Wire‑Laser‑Methode das 3D‑Drucken von Tungsten‑Carbide ermöglicht
Die Innovation des Teams der Hiroshima University liegt in einer subtilen, aber tiefgreifenden Verschiebung unseres Denkens über das 3D‑Drucken von Metall. Die meisten Metall‑3D‑Drucker arbeiten, indem sie Metallpulver oder -draht vollständig mit einem Hochenergie‑Laser schmelzen. Versucht man dies jedoch mit Tungsten‑Carbide, führt die extreme Hitze dazu, dass das Material in W₂C und Graphit zerfällt, was zu winzigen Poren, Rissen und einem Verlust der Härte führt, die es wertvoll macht.
Statt gegen die Natur des Materials anzukämpfen, setzten die Forscher die Hot‑Wire‑Laser‑Methode ein. In diesem Aufbau wird ein gesinterter Karbidstab bereits vor dem Erreichen des Lasers durch einen elektrischen Strom auf fast seinen Schmelzpunkt vorgeheizt. Der Laser liefert dann nur noch die zusätzliche Wärme, die nötig ist, um das Material zu erweichen, sodass es Schicht für Schicht aufgetragen werden kann.
Vergleich von Fertigungsverfahren
| Methode | Primäres Problem | Härteergebnis |
|---|---|---|
| Stabführend (Laser oben) | WC‑Zersetzung und Porosität | Niedrig/Degradiert |
| Laserführend (keine Zwischenschicht) | Infiltration des Basismaterials (Fe) | ~1000 HV |
| Laserführend (Ni‑Legierungsschicht) | Leichte Anfangsrissbildung | ~1400 HV |
Indem das Material erweicht statt vollständig geschmolzen wird, gelang es dem Team, die empfindliche Mikrostruktur des Tungsten‑Carbides zu erhalten. Sie stellten fest, dass sie bei einer Temperatur über dem Schmelzpunkt des Kobalt‑Bindemittels, aber unterhalb der Schwelle, bei der das Tungsten‑Carbide zerfällt, ein festes, fehlerfreies Objekt mit einer Härte von über 1400 HV produzieren konnten – gleichwertig zur Qualität traditioneller Industriewerkzeuge.
Lösen von additiven Fertigungsdefekten in WC‑Co‑Karbid
Ein besonders cleverer Aspekt der Studie war, wie das Team die Wechselwirkung zwischen dem ultraharten Karbid und dem Basismaterial, auf dem es gedruckt wurde, handhabte. Beim direkten Druck auf eine herkömmliche Eisenbasis drang das Eisen häufig in das Karbid ein und verwässerte dessen Festigkeit.
Die Lösung bestand in der Einführung einer Zwischenschicht aus einer nickelbasierten Legierung. Diese Schicht wirkt als Puffer, verhindert die Kontamination des Karbids durch das Basismaterial und sorgt dafür, dass das Endprodukt rein und stark bleibt. Dieser Mehrmaterial‑Ansatz ist ein Schlüsseltrend im 3D‑Druck und ermöglicht es Ingenieuren, das teure, hochleistungsfähige Material nur dort einzusetzen, wo es wirklich nötig ist – etwa an der Schneide eines Werkzeugs – und günstigere Materialien für den Rest des Körpers zu verwenden.
Warum 3D‑Drucken von Tungsten‑Carbide die Fertigung revolutionieren könnte
Das Potenzial dieser Technologie reicht weit über das Labor hinaus. Sobald diese Verfahren verfeinert sind, um komplexere Formen zu bewältigen und die verbleibenden Rissprobleme zu eliminieren, sind die Auswirkungen auf unsere Welt enorm.
- Bedarfsorientierte industrielle Resilienz: Stellen Sie sich eine Welt vor, in der ein entlegener Bergbau‑ oder Baustellenstandort nicht wochenlang auf ein Ersatzteil aus einem zentralen Lager warten muss. Mit fortschrittlichem 3D‑Druck können kritische, ultraharte Komponenten vor Ort genau dann hergestellt werden, wenn sie benötigt werden.
- Nachhaltigkeit und Ressourcensicherheit: Indem nur die exakt für ein Teil benötigte Menge an Wolfram und Kobalt verwendet wird, können wir unsere Abhängigkeit vom Bergbau drastisch reduzieren und industriellen Abfall minimieren. Das ist ein entscheidender Schritt zu einer Kreislaufwirtschaft, in der Materialien mit maximaler Effizienz genutzt werden.
- Design der nächsten Generation: Traditionelle Fertigung begrenzt, was wir bauen können. 3D‑Druck löst diese Fesseln und ermöglicht die Herstellung von Werkzeugen mit internen Kühlkanälen, komplexen Geometrien und optimierten Gewichten, die zuvor unmöglich waren. Das führt zu effizienteren Maschinen, leichteren Fahrzeugen und langlebigerer Infrastruktur.
Investition in industriellen 3D‑Druck und fortschrittliche Materialien
Da der Industriesektor zu intelligenterer und effizienterer Produktion übergeht, stehen die Unternehmen, die die Hardware und Materialien für diesen Wandel bereitstellen, vor erheblichem Wachstumspotenzial. Für Investoren, die von den Fortschritten im Metall‑3D‑Druck und Hochleistungs‑Materialien profitieren wollen, sticht ein Unternehmen besonders hervor.
Spotlight: Nano Dimension (NNDM )
Während viele 3D‑Druck‑Unternehmen sich auf Verbraucher‑Kunststoffe oder einfache Metalle konzentrieren, hat sich Nano Dimension als führender Anbieter im hochleistungsfähigen, industriellen Markt positioniert. Das Unternehmen hat kürzlich einen bedeutenden strategischen Schritt vollzogen, indem es Desktop Metal übernommen hat, einen Pionier im Metall‑Binder‑Jetting und bei der fortschrittlichen Materialablagerung.
Diese Akquisition hat Nano Dimension zu einem umfassenden Anbieter für industrielle additive Fertigung gemacht. Die Technologie von Desktop Metal wird bereits von Forschern und Herstellern genutzt, um die in der Hiroshima‑University‑Studie hervorgehobenen Anwendungen von gesintertem Karbid zu erforschen. Durch die Kombination ihrer Expertise im Elektronik‑3D‑Druck mit den robusten Metallplattformen von Desktop Metal baut Nano Dimension eine Full‑Stack‑Lösung auf, die alles von der schnellen Prototypenfertigung bis zur Massenproduktion abdeckt.
(NNDM )
Finanziell hat das Unternehmen ein beeindruckendes Wachstum gezeigt und kürzlich gemeldet, dass der Umsatz um 81 Prozent im Jahresvergleich gestiegen ist. Während die Branche noch in einer Phase hohen Wachstums und hoher Investitionen steckt, machen das massive Patentportfolio von Nano Dimension und der Fokus auf kritische Sektoren wie Luft‑ und Raumfahrt, Automobil und Verteidigung das Unternehmen zu einer überzeugenden Wahl für Anleger, die in die Zukunft der Fertigung investieren wollen. Während Technologien wie die Soft‑Melting‑Hot‑Wire‑Methode vom Labor in die Produktionslinie übergehen, werden Unternehmen mit der Infrastruktur, diese fortschrittlichen Prozesse zu unterstützen, die Beobachtungsobjekte sein.
Investor‑Resümee
Der Wechsel von traditioneller Pulvermetallurgie zu hochpräzisem 3D‑Druck für Schmelzmetalle stellt eine Erweiterung des adressierbaren Gesamtmarktes (TAM) für den Industriesektor dar. Investoren sollten die Integration von Desktop Metal durch Nano Dimension beobachten, da die Fähigkeit, ultraharte Materialien wie Tungsten‑Carbide zu drucken, ohne die Härte zu beeinträchtigen – wie in der Hiroshima‑University‑Studie demonstriert – den globalen Werkzeugmarkt grundlegend verändern könnte.
Neueste Nachrichten und Entwicklungen zu Nano Dimension (NNDM) Aktien
Referenzen:
1. Marumoto, K., Abe, T., Nagamori, K., Ichikawa, H., Nishiyama, A., & Yamamoto, M. (2026). Effect of the hot-wire laser irradiation method and a Ni-based alloy middle layer on mechanical properties and microstructure in additive manufacturing of WC-Co cemented carbide. International Journal of Refractory Metals and Hard Materials, 136, Article 107624. https://doi.org/10.1016/j.ijrmhm.2025.107624












