Additive Fertigung
Die Vielseitigkeit des 3D‑Drucks: Growth Printing, Robotik und mehr

Additive Manufacturing hat seit der ersten Vorstellung des Schichtdrucks im Gegensatz zum Spritzgießen durch Dr. Hideo Kodama im Jahr 1981 einen weiten Weg zurückgelegt. Seitdem gab es einen stetigen Strom bahnbrechender Fortschritte, die zur Weiterentwicklung dieses modernen Fertigungsverfahrens geführt haben. Jetzt soll die Vielseitigkeit des 3D‑Drucks dank einiger innovativer Konzepte, die den Markt erobern, weiter zunehmen. Das sollten Sie wissen.
Jenseits der Individualisierung: Die wachsenden Fähigkeiten des 3D‑Drucks
3D‑Drucker können viel mehr als nur maßgeschneiderte Formen herstellen. Moderne 3D‑Drucker können Metall, neuartige Verbundstoffe, elektronische Strukturen und experimentelle Gewebemodelle herstellen. All diese Entwicklungen führen zu weiteren Innovationen im Sektor, die die Technologie vorantreiben. Im Folgenden einige aktuelle Fortschritte im 3D‑Druck, die die Branche auf die nächste Stufe heben könnten.
3D‑Druck in der Robotik: Eine neue Ära der Aktuatoren
Wenn Sie an 3D‑gedruckte Robotik denken, stellen Sie sich wahrscheinlich einen Metall‑3D‑Drucker vor, der robotische Bauteile herstellt, die anschließend zusammengebaut werden, bevor sie funktionsfähig sind. Ob sich das wirtschaftlich lohnt, hängt von Geometrie, Material, Stückzahl und Nachbearbeitung ab.
Ein weiteres Forschungsfeld sind weiche Aktuatoren: Bauteile, die elektrische Energie in mechanische Bewegung umwandeln. Sie können klassische Motoren und Servos in bestimmten Anwendungen ergänzen.
Ein Team von Empa und ETH Zürich beschreibt in Rapid Manufacturing of High-Permittivity Dielectric Elastomer Actuator Fibers1 eine kontinuierliche Co-Extrusion von Elektroden- und dielektrischen Materialien. Damit werden funktionsfähige elastische Aktuatorfasern schneller hergestellt als durch mehrere getrennte Beschichtungsschritte. Angelegte Spannung verformt das elastische System.

Quelle – Empa
Materialien und mögliche Anwendungen
Die Studie kombiniert leitfähige Elektroden-Tinte mit einem isolierenden Material hoher Permittivität. Das gemeinsame Extrudieren und schnelle Vernetzen vereinfacht die Herstellung. Solche Fasern werden als künstliche Muskeln für weiche Robotik untersucht.
Das ist ein Fertigungsfortschritt, aber noch kein Nachweis, dass die Fasern in jeder Anwendung billiger oder langlebiger als Servomotoren sind. Ein klinischer Ersatz menschlicher Muskeln würde zusätzliche Sicherheitsprüfungen, biomedizinische Forschung und Zulassungen erfordern. Die Bezeichnung „künstlicher Muskel“ beschreibt hier zunächst die technische Funktion.
Growth Printing: Ein naturinspiriertes 3D-Druckverfahren
Die Studie Morphogenic Growth 3D Printing2 untersucht ein von biologischem Wachstum inspiriertes Verfahren. Eine beheizte Spitze startet die Polymerisation in flüssigem Harz; die Reaktionsfront breitet sich anschließend aus.

Quelle – Beckman Institute
Wie das Bauteil aus dem Harz wächst
Während die Reaktion fortschreitet, zieht die bewegte Spitze das entstehende feste Objekt aus dem Harz. Die Bewegung relativ zur Flüssigkeitsoberfläche beeinflusst seine Form. Ein rechnerisches Modell und ein inverser Entwurfsalgorithmus helfen, passende Bewegungsbahnen zu bestimmen.
Das Material härtet durch eine chemische Polymerisationsreaktion aus, nicht einfach durch Abkühlung wie ein geschmolzener Thermoplast. Die Arbeit beschreibt rechnerische Modellierung; daraus folgt nicht automatisch der Einsatz eines KI-Systems.
Was für die Fertigung noch zu prüfen ist
Für einen industriellen Einsatz zählen neben Druckgeschwindigkeit auch erreichbare Geometrien, Oberflächenqualität, Materialeigenschaften und Prozesskontrolle. Ein überzeugender Laborversuch ersetzt keine anwendungsspezifische Qualifikation eines Serienbauteils.
3D-Druck in der Teilchenphysik
Tim Weber und weitere Forschende stellen in Additive manufacturing of a 3D-segmented plastic scintillator detector for tracking and calorimetry of elementary particles3 ein Verfahren für segmentierte Kunststoff-Szintillatoren vor. Szintillatoren erzeugen Licht, wenn geeignete Teilchen beziehungsweise Strahlungswechselwirkungen Energie im Material abgeben. Lichtleiter und Sensoren machen daraus messbare Signale.
SuperCube und kombinierte Fertigung
Das Verfahren verbindet Fused Deposition Modeling mit einem angepassten Injektionsprozess. Der SuperCube-Demonstrator enthält 125 optisch getrennte Volumenelemente in einer 5 × 5 × 5-Anordnung. Die Arbeit zeigt Teilchenspuren und Energieverlustmessungen bei einer mit etablierten Ansätzen vergleichbaren Detektorleistung.
SuperFGD ist ein konkreter großer Detektor, kein allgemeiner Standard für sämtliche Szintillatoren. Der kombinierte Fertigungsprozess soll die Herstellung solcher komplexen Geometrien vereinfachen. Aussagen über flächendeckende Kosteneinsparungen oder einen bereits erfolgten Einsatz in Raumfahrtmissionen wären daraus noch nicht ableitbar.
Was kommt als Nächstes beim 3D‑Druck? Aufkommende Innovationen
Derzeit gibt es im 3D‑Druck‑Sektor viel zu beobachten. Dieses Jahr hat additive Fertigung im Weltraum, die Nutzung mehrerer Materialien und sogar die Herstellung funktionaler Teile aus komplexen Materialkombinationen hervorgebracht. In Zukunft könnten noch komplexere Materialinteraktionen entwickelt werden, die das Drucken funktionierender Produkte in einem einzigen Durchlauf ermöglichen. Weitere Forschungsrichtungen zeigen, wie breit das Anwendungsspektrum ist.
Holographic Direct Sound Printing (HDSP)
Ingenieure haben ein Verfahren entwickelt, das mittels Ultraschall‑Holographie durch Wände drucken kann. Das Gerät nutzt diese Wellen, um Formen zu organisieren und ohne physischen Kontakt zu härten. Dieser Ansatz ermöglicht das Drucken komplexer Designs und bietet beeindruckende Anwendungsszenarien.
Kontaktloses Aushärten ist ein interessantes Forschungsziel. Reparaturen im Körper oder schwer erreichbare Reparaturen im Weltraum sind mögliche Zukunftsszenarien, keine hier nachgewiesenen Routineanwendungen.
3D‑gedruckte Häuser: Die Zukunft des bezahlbaren Wohnens und der Weltraumkolonisation
Es wird viel Arbeit investiert, um brauchbare 3D‑gedruckte Häuser zu schaffen. Ob dadurch Baukosten sinken, hängt unter anderem von Material, örtlichen Vorschriften, Bewehrung und Ausbauarbeiten ab. Lebensräume im Weltraum sind ein separates Entwicklungsziel. Ingenieure stellen sich vor, diese Drucker zu nutzen, um Lebensräume aus Materialien zu bauen, die auf dem jeweiligen Planeten vorkommen, wodurch die Kosten weiter reduziert werden.
Diese Strategie ist sinnvoll, wenn man bedenkt, dass es teuer ist, Baumaterialien in den Weltraum zu transportieren. Ein eigens für den Bau entwickelter 3D-Drucker ist dafür eine untersuchte Möglichkeit. Ein weiterer 3D‑Drucker könnte zudem Spezialwerkzeuge und andere Anforderungen herstellen, um den Prozess zu optimieren.
Der Aufstieg des 4D‑Drucks: Formverändernde Strukturen
Beim 4D-Druck verändert eine gedruckte Struktur ihre Form oder Eigenschaften über die Zeit, etwa als Reaktion auf Wärme oder Feuchtigkeit. Das Konzept ist nicht auf eine Umwandlung von eindimensionalen Strängen in dreidimensionale Formen beschränkt. Medizinische Anwendungen bleiben von der konkreten Materialwahl und ihrer Validierung abhängig.
Die unvergleichliche Vielseitigkeit des 3D‑Drucks
Während sich der 3D‑Druck weiterentwickelt, erweitert er die verfügbaren Fertigungsmöglichkeiten. Die Flexibilität und Vielseitigkeit von 3D‑Druckern ermöglichen es Ingenieuren, ständig neue und spannende Wege zu finden, um mit Schicht‑für‑Schicht‑Methoden zu fertigen. Diese neuesten Entwicklungen werden das Feld weiter vorantreiben und neue Anwendungen ermöglichen.
Erfahren Sie mehr über andere spannende 3D‑Druckprojekte in unserer Übersicht zur additiven Fertigung.
Studien
1. Danner, P. M. et al. (2025). Rapid Manufacturing of High-Permittivity Dielectric Elastomer Actuator Fibers. Advanced Materials Technologies.
2. Kim, Y. S. et al. (2025). Morphogenic Growth 3D Printing. Advanced Materials.
3. Weber, T. et al. (2025). Additive manufacturing of a 3D-segmented plastic scintillator detector for tracking and calorimetry of elementary particles. Communications Engineering 4, Artikel 41.












