Regulierung
Regulierungsrückblick Juli 2022: Coinbase, CFTC-Neuorganisation und Forderung nach Binance-Verbot

Dieser Rückblick fasst Meldungen zur Regulierung digitaler Vermögenswerte vom 26. Juli 2022 zusammen: Berichte über eine Untersuchung von Coinbase, die Neuorganisation der CFTC und die Forderung von Infrawatch PH nach einem Binance-Verbot auf den Philippinen. Verfahren und Äußerungen werden im damaligen Zusammenhang dargestellt; sie beschreiben nicht die heutige Rechts- oder Lizenzlage.
Berichte über eine SEC-Untersuchung zu Coinbase
Am 21. Juli 2022 wurden ein ehemaliger Produktmanager von Coinbase, sein Bruder und ein Bekannter vom US-Justizministerium, DOJ, wegen eines mutmaßlichen Handels mit vertraulichen Informationen zu bevorstehenden Token-Listings angeklagt. Die strafrechtlichen Vorwürfe betrafen Betrug unter Nutzung elektronischer Kommunikationsmittel und Verschwörung, nicht Wertpapierbetrug. Unabhängig davon berichtete Bloomberg über eine SEC-Untersuchung zu Coinbase im Zusammenhang mit möglicherweise nicht registrierten Wertpapieren. Ein Untersuchungsbericht war kein gerichtlicher Nachweis eines Rechtsverstoßes des Unternehmens.
Coinbase selbst war in diesem DOJ-Strafverfahren nicht angeklagt. Die Kritik, die SEC betreibe Regulierung durch Durchsetzungsmaßnahmen, spiegelte die Sicht des Autors und anderer Kritiker wider. Auch CFTC-Kommissarin Caroline Pham kritisierte dieses Vorgehen im Fall SEC v. Wahi. Daraus folgte keine Feststellung, dass die SEC rechtswidrig handelte.

Quelle: Twitter @CarolineDPham
Coinbase war früher für eine vorsichtige und langsame Aufnahme neuer Vermögenswerte bekannt. Nach Unternehmensangaben hatte die SEC das Prüfverfahren für solche Listings geprüft, bevor das Angebot ausgeweitet wurde. Eine Prüfung des Verfahrens war jedoch weder die Genehmigung jedes Tokens noch die Feststellung, dass sämtliche angebotenen Vermögenswerte keine Wertpapiere seien.
Paul Grewal, der Chefjustiziar von Coinbase, widersprach der SEC in einer Erklärung. Im Folgenden werden seine Argumente sinngemäß zusammengefasst; sie waren keine von beiden Seiten anerkannte rechtliche Schlussfolgerung.
Grewal erklärte, Coinbase habe bei der Untersuchung des mutmaßlichen Informationsmissbrauchs durch seinen früheren Mitarbeiter mitgewirkt. Nach seiner Auffassung hatte die SEC unmittelbar geklagt, statt zuvor über sieben auf der Plattform verfügbare Vermögenswerte zu sprechen. Er forderte einen klaren, praktikablen Rahmen für digitale Wertpapiere und kritisierte, dass einzelne Durchsetzungsmaßnahmen die Zuständigkeit der SEC auf Vermögenswerte ausdehnen könnten, die Coinbase nicht als Wertpapiere ansah.
Die Debatte über Regeln für digitale Vermögenswerte lief bereits vor Juli 2022. Die Branche, einzelne Aufsichtsvertreter und die Executive Order der Biden-Regierung vom März 2022 forderten einen stärker abgestimmten Ansatz. Der Wunsch nach neuen Regeln bedeutete jedoch nicht, dass bestehende Gesetze keine Anwendung fanden. Die Kritik an der SEC war Teil der damaligen politischen Debatte.
Neuorganisation der CFTC
Am 25. Juli 2022 hatte der Vorsitzende der US-Terminmarktaufsicht Commodity Futures Trading Commission, CFTC, eine Neuorganisation bekanntgegeben, um verantwortungsvolle Innovationen in der Finanztechnologie zu unterstützen.
In seiner Grundsatzrede erläuterte der Vorsitzende Rostin Behnam, dass digitale Vermögenswerte in den USA keinem einheitlichen, umfassenden Regulierungsrahmen unterlagen. Er verglich die zwischen CFTC, anderen Bundesbehörden und den Aufsichten der Bundesstaaten verteilte Kontrolle mit einer Flickendecke, deren Schwächen unter dem Druck des Marktes deutlicher würden.
Er führte außerdem aus, dass die zuständigen Politikabteilungen prüften, wie die CFTC ihre bestehenden Befugnisse nutzen könne, um dem Markt für digitale Vermögenswerte wichtige regulatorische Schutzmaßnahmen zu bieten.
LabCFTC sollte mit einem neuen Betriebsmodell zum Office of Technology Innovation, OTI, werden. Nach Behnams Darstellung sollte OTI Innovation und Technologie in der Aufsicht und den Kernaufgaben der CFTC unterstützen, die operativen Abteilungen entlasten und zur nationalen wie internationalen Zusammenarbeit beitragen.
Die Neuorganisation stärkte die internen technologischen Kapazitäten der CFTC. Die Gründung von OTI schuf für sich genommen weder ein neues Gesetz noch eine umfassende Zuständigkeit für sämtliche Kryptomärkte. Die Gegenüberstellung, die CFTC handle, während die SEC die Ausarbeitung von Regeln verweigere, war eine redaktionelle Bewertung und keine neutrale Beschreibung der gesamten Arbeit beider Behörden.
Infrawatch PH fordert Binance-Verbot
Auf den Philippinen forderte Infrawatch PH die dortige Securities and Exchange Commission auf, gegen Binance vorzugehen. Die Forderung nach einer Untersuchung bestätigte für sich genommen nicht, dass zum Artikeldatum bereits ein förmliches Verfahren oder eine Entscheidung über Rechtsverstöße vorlag.
Laut der damals geschilderten Beschwerde warf die politische Denkfabrik Infrawatch PH Binance vor, ohne erforderliche Registrierung oder Zulassung auf den Philippinen tätig zu sein. Sie beanstandete außerdem das Angebot der folgenden Produkte ohne die aus ihrer Sicht erforderlichen Genehmigungen. Das waren Vorwürfe des Beschwerdeführers, keine rechtlichen Feststellungen dieses Artikels.
- Spot-Handel
- Margin-Handel
- Futures-Kontrakte
- Optionen
- Krypto-Darlehen
- P2P-Handel
Die Beschwerde verwies auch auf Beschränkungen für Binance in verschiedenen Ländern und stellte einen Zusammenhang mit dem Zusammenbruch von LUNA und UST her. Die Beschränkungen unterschieden sich je nach Rechtsordnung. Die hier dargestellten Informationen belegten keine Verantwortung von Binance für den Zusammenbruch.
Terry Ridon, der Koordinator von Infrawatch PH, kritisierte das Unternehmen. Sinngemäß vertrat er die Auffassung, dass Millionen philippinischer Binance-Nutzer finanziellen Risiken ausgesetzt seien und keine ausreichenden Möglichkeiten zur Abhilfe hätten, während das Unternehmen den Markt ohne angemessene Rechenschaftspflicht nutze. Das war Ridons Bewertung, keine durch diesen Artikel festgestellte Tatsache.
Damals wurde berichtet, Binance bemühe sich im Austausch mit den Behörden um die erforderlichen Zulassungen. Ein solches Vorhaben bewies nicht, dass bereits eine Lizenz erteilt worden war. Stilllegung, Geldbußen und ein dauerhaftes Verbot waren von Infrawatch PH geforderte Ergebnisse, keine im Juli 2022 bereits feststehenden Folgen.












