Digitale Vermögenswerte
Nasdaq stoppte im Juli 2023 den US-Verwahrgeschäftsstart, entwickelte die Software aber weiter

Aussagen von Führungskräften wie Larry Fink und neue Anträge für Bitcoin-Anlageprodukte zeigten 2023 institutionelles Interesse an digitalen Vermögenswerten. Die Entwicklung verlief dennoch nicht ohne Hindernisse. Bei der Präsentation der Ergebnisse des zweiten Quartals am 19. Juli 2023 kündigte Nasdaq an, den Start seines geplanten US-Verwahrgeschäfts für digitale Vermögenswerte zu stoppen.
Was ist passiert?
Nasdaq verwies auf das veränderte geschäftliche und regulatorische Umfeld in den USA. Unklare Regeln waren ein Teil davon, aber nicht der einzige genannte Faktor. Positive Reaktionen auf Teile des Ripple–SEC-Urteils im Juli 2023 klärten nicht sämtliche Fragen zur Einstufung und Aufsicht digitaler Vermögenswerte. Die Annahme, Nasdaq warte lediglich auf eine bestimmte regulatorische Entscheidung, war eine Interpretation des Artikels.
Nasdaq-Chefin Adena Friedman erklärte bei der Ergebnispräsentation:
„In diesem Quartal haben wir angesichts des veränderten geschäftlichen und regulatorischen Umfelds in den USA beschlossen, den Start unseres US-Verwahrgeschäfts für digitale Vermögenswerte und die damit verbundenen Bemühungen um eine entsprechende Lizenz zu stoppen. Wir entwickeln und liefern jedoch weiterhin Technologie, die Nasdaq als führenden Anbieter von Softwarelösungen für digitale Vermögenswerte für die globale Branche positioniert. Dazu gehört die Weiterentwicklung unserer Verwahrungslösung als Technologieplattform für den breiteren internationalen Markt.
Darüber hinaus unterstützen wir die Entwicklung des Ökosystems digitaler Vermögenswerte weiterhin auf verschiedene Weise: durch laufenden Austausch mit Aufsichtsbehörden, umfassende Technologielösungen über den gesamten Handelszyklus und Partnerschaften mit möglichen ETF-Emittenten für handelbare börsennotierte Produkte.“
Ein US-Verwahrgeschäft zu betreiben ist etwas anderes, als anderen Unternehmen Verwahrsoftware anzubieten. Nasdaq stoppte den Geschäftsstart und die Lizenzbemühungen, setzte die Softwareentwicklung jedoch fort. Das Unternehmen nannte keinen neuen Starttermin und garantierte keine automatische Wiederaufnahme nach einer Klärung der Regeln.
Einsatz von Technologie nach dem Handel
Nasdaq beschrieb zwei Kooperationen in Lateinamerika: mit Depósito Central de Valores (DCV), der chilenischen Zentralverwahrstelle, und mit der brasilianischen Börse Brasil, Bolsa, Balcão (B3). DCV nutzte Nasdaqs Plattform zur Emission und Abwicklung digitaler Wertpapiere. Der separate Vertrag mit B3 lief über mehr als zehn Jahre und sah die Entwicklung einer neuen Clearinglösung vor. Es handelte sich nicht um zwei identische, bereits vollständig eingeführte Systeme.
Ein weiteres Tätigkeitsfeld waren Anträge für Bitcoin-Anlageprodukte im Zusammenhang mit Nasdaq, einschließlich Vereinbarungen zur Marktüberwachung. Im Juli 2023 waren dies Anträge und Vorschläge, kein Beleg für eine bereits erfolgte Zulassung der betreffenden US-Spotprodukte.












